Auch bei zweiter Viruswelle Weißes Haus schließt neuen Lockdown der USA aus

Die Vereinigten Staaten öffnen sich derzeit - und die Sorge vor einem Wiederanstieg der Corona-Infektionen wächst. Für Präsident Trump kommt eine erneute Schließung des Landes aber nicht infrage.
Donald Trump in Washington nach der Rückkehr aus Michigan: "Wir werden es löschen"

Donald Trump in Washington nach der Rückkehr aus Michigan: "Wir werden es löschen"

Foto: JONATHAN ERNST/ REUTERS

Die USA sind zahlenmäßig weltweit das von der Corona-Epidemie am härtesten getroffene Land. Nun reagiert die US-Regierung - zumindest symbolisch. Wegen der Zehntausenden Toten in der Pandemie lässt Präsident Donald Trump die Flaggen an allen öffentlichen Gebäuden und Nationaldenkmälern drei Tage lang auf halbmast hängen.

In den USA sind nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität  bereits mehr als 94.500 Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Experten befürchten, dass diese Zahl noch rapide steigen könnte, wenn die nun eingeleiteten Öffnungsmaßnahmen des Landes nicht koordiniert und von einem engmaschigen Testprogramm begleitet ablaufen. Gerade im Herbst und Winter, so die Prognosen, könnte das Virus im kühleren Klima mit Wucht zurückkehren.

Für den Fall einer solchen zweiten Welle jedoch hat Trump schon jetzt eine klare Richtung vorgegeben. Er will die USA auch bei einer erneuten Eskalation nicht wieder strengen Maßnahmen zur Eindämmung unterwerfen.

Sollten sich die Befürchtungen der Forscher bestätigen "werden wir die Feuer löschen, wir werden das Land nicht schließen", sagte Trump am Donnerstag (Ortszeit) bei einem Besuch einer Fabrik des Autobauers Ford in Ypsilanti im Bundesstaat Michigan. "Ob es eine Glut oder eine Flamme ist, wir werden es löschen." Trump drängte Gouverneure erneut dazu, die Schutzmaßnahmen in ihren Bundesstaaten zu lockern, damit die US-Wirtschaft wieder anläuft.

Trump beschwört das Comeback der US-Wirtschaft

"Um die Gesundheit unserer Bevölkerung zu schützen, brauchen wir eine funktionierende Wirtschaft", sagte Trump. Dahinter steckt auch Eigeninteresse: Eine florierende Wirtschaft würde die Chancen des amtierenden Präsidenten auf eine Wiederwahl erheblich steigern.

Die US-Regierung hatte besonders in der Anfangsphase der Epidemie ein schnelles Einschreiten verpasst. Inzwischen hat Trump die Verantwortung zu großen Teilen an die Gouverneure der einzelnen Bundesstaaten abgeschoben - und kritisiert diese immer wieder.

So auch in Michigan, das zu einem der umkämpften Staaten bei der Präsidentschaftswahl im November zählt: "Bestimmte Gouverneure sollten weiter sein, als sie sind." Trump äußerte erneut die Hoffnung, dass sich die US-Wirtschaft spätestens ab dem vierten Quartal erholen werde, und behauptete: "Dieses Land steht vor einem epischen Comeback." In der Ford-Fabrik in Ypsilanti stellt der US-Autobauer derzeit Beatmungsgeräte her.

Besuch in der Maskenfabrik - ohne Maske

Allerdings trug der US-Präsident bei seinem Besuch der Fabrik zeitweise erneut keine Schutzmaske - trotz einer ausdrücklichen Aufforderung von Michigans Justizministerin Dana Nessel. Sie hatte Trump in einem offenen Brief darauf hingewiesen, dass das Anlegen einer Schutzmaske in Michigan derzeit verpflichtend sei. Das gelte auch für den Präsidenten der Vereinigten Staaten, schrieb sie.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Trump sagte vor Journalisten, er habe auf einem früheren Teil des Fabrikrundgangs eine Maske getragen, "aber ich wollte der Presse nicht die Freude machen, das zu sehen". Trump zeigte daraufhin eine Maske vor, die er nach seinen Angaben getragen hatte. Er betonte, er selbst und alle um ihn herum seien auf das Virus getestet worden, weswegen er keine Maske anziehen müsse.

Ihm sei gesagt worden, in jenem Teil der Fabrik, in dem er mit Journalisten sprach, sei ein solcher Schutz nicht notwendig. Ford-Manager, die Trump begleiteten, trugen allerdings eine Maske.

jok/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.