Trump und die Coronakrise Präsident im Panikmodus

Die Coronakrise schadet auch der US-Wirtschaft massiv. Präsident Trump möchte viele Einschränkungen des täglichen Lebens deshalb am liebsten bald wieder lockern. Zu früh?
Von Roland Nelles, Washington
Präsident Donald Trump spricht im Weißen Haus zu Reportern. Die Coronakrise wird immer mehr zur Bedrohung für die US-Wirtschaft.

Präsident Donald Trump spricht im Weißen Haus zu Reportern. Die Coronakrise wird immer mehr zur Bedrohung für die US-Wirtschaft.

Foto: Alex Brandon/ AP

Wo immer der US-Präsident in diesen Tagen auftritt, versucht er, vor allem gute Nachrichten zu verkünden. So ist es auch jetzt wieder, zu Beginn der Woche.

Schon bald, sehr bald werde diese Krise vorüber sein, sagt Donald Trump im Weißen Haus. Dann werde Amerika wieder "geöffnet"- und die Wirtschaft werde florieren. Das sei für ihn keine Frage von Monaten, sondern eher von Wochen, so Trump. "Unser Land ist nicht dafür gemacht, geschlossen zu bleiben."

Typisch Trump: Der Präsident verbreitet Optimismus. Am liebsten würde er die Krise wohl sofort für beendet erklären. Doch die Realität sieht anders aus - für jede Form der Entwarnung ist dies der gänzlich falsche Zeitpunkt.

Das neuartige Coronavirus hat die USA fest im Griff, die Lage verschlechtert sich von Tag zu Tag. Die Rate der Infizierten steigt rasant an. Mehr als 42.000 Amerikaner sind inzwischen offiziell infiziert, 540 Menschen verstorben. Allein in der Metropole New York sind 13.000 Menschen erkrankt. Die Hospitäler dort geraten an ihre Kapazitätsgrenzen.

Auch aus anderen Landesteilen kommen immer mehr Katastrophenmeldungen : In Florida, wo sich der örtliche Gouverneur Ron DeSantis, ein Republikaner und Trump-Freund, lange weigerte, Strände und Bars zu schließen, explodiert die Zahl der Infizierten. Ähnliches wird aus Louisiana berichtet, wo die Krankenhäuser in der Metropole New Orleans schon bald heillos überlastet sein könnten.

"In dieser Woche wird es richtig schlimm", warnt Jerome Adams, der Oberste Amtsarzt der US-Regierung und ermahnt seine Landsleute eindringlich, zu Hause zu bleiben und den Kontakt zu anderen Menschen auf ein Minimum zu reduzieren.

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Die Entlassungswelle rollt los

Auch Trump widerspricht den Warnungen des Experten ausdrücklich nicht. Zugleich müht er sich aber, so etwas wie Hoffnung zu verbreiten. Der Grund liegt auf der Hand. Er muss fürchten, dass die massiven wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronakrise ihm die Chancen auf die Wiederwahl verhageln könnten. Im Weißen Haus macht sich nun offenbar Panik breit.

Die Entlassungswelle hat bereits begonnen. Restaurants, Hotels und Bars schicken Mitarbeiter nach Hause, Ladenketten droht die Pleite. Schon machen unter Experten in den USA Horrorszenarien die Runde, nach denen die Arbeitslosenquote im Land bald bei 30 Prozent liegen könnte. Das würde sogar noch den Höchststand während der Weltwirtschaftskrise in den Dreißigerjahren des vergangenen Jahrhunderts übertreffen, als die Quote gut 24 Prozent betrug.

Trump würde dann als Präsident mit der schlechtesten Wirtschaftsbilanz aller Zeiten in die Geschichte eingehen. So könnte ihm das gleiche Schicksal blühen wie einst Herbert Hoover. Der saß während der "Great Depression" als Präsident im Weißen Haus und wurde von den Wählern bald aus dem Amt gejagt.

Kein Wunder, dass Trump alles unternehmen will, um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise so gering wie möglich zu halten. Von einer allzu langen Phase, in der sich große Landesteile quasi in Quarantäne befinden, hält der Präsident offenkundig nichts.

"Wenn es nach den Ärzten ginge, würden sie am liebsten die ganze Welt zusperren", sagt Trump. Aber dies könnte viel größere Probleme erzeugen, als die Probleme, die durch das Virus entstünden. Amerikas Wirtschaft müsse bald wieder voll in Gang kommen, so der Präsident. In einigen Tagen wolle er deshalb überprüfen, ob die Empfehlungen seiner Regierung an die Bevölkerung, soziale Kontakte wie Restaurantbesuche für 15 Tage möglichst zu vermeiden, in dieser Form unbedingt weiter aufrechterhalten werden müssten.

Eine baldige Lockerung sei denkbar, macht Trump deutlich. Auch einige weniger betroffene Bundesstaaten könnten ihre Beschränkungen bald schon wieder überdenken. "Das geht vorüber. Wir werden die Schlacht gewinnen."

Was tut die Industrie?

Dazu passt, dass der Präsident bislang allen Forderungen widersteht, die großen US-Konzerne bei der Bewältigung der Krise ernsthaft mit in die Pflicht zu nehmen. Nach dem sogenannten Defense Production Act könnte der Präsident der Industrie in der Krise eigentlich befehlen, bestimmte Produkte herzustellen, die nun vonnöten sind: Beatmungsgeräte zum Beispiel oder neue Schutzmasken. Aber Trump lehnt dieses Vorgehen bislang ab, weil die großen Wirtschaftsverbände und Konzerne auf solche Eingriffe naturgemäß wenig erpicht sind. "Wir verstaatlichen nicht in diesem Land", sagt Trump trotzig.

Lieber setzt der Präsident darauf, dass die Wirtschaft dem Land freiwillig aus der Patsche hilft. Besonders erfolgreich ist dieser Weg bislang aber nicht, auch wenn Trump so tut, als wäre er es.

So behauptete er, große Firmen wie Ford, Tesla oder General Motors würden Teile ihrer Produktion nun "schnell" auf die Herstellung von dringend benötigten Beatmungsgeräten umstellen. Ja, die Arbeiten hätten sogar bereits begonnen, erklärte Trump. Eine Aussage, die so offenbar nicht richtig ist: Nach Recherchen von US-Medien  sind die Autohersteller wahrscheinlich noch Monate davon entfernt, diese Geräte produzieren zu können.

Doktor Fauci muss Trump korrigieren

Auch sonst macht Trump bei seinen Auftritten zur Krise jede Menge Aussagen, die übertrieben oder irreführend sind. Das Ziel ist dabei offenkundig immer das gleiche: Trump will gute Stimmung verbreiten - und so auch die nervösen Börsianer an der Wall Street beruhigen, die den Dow-Jones-Index seit Wochen tief ins Minus drücken.

Immer wieder kommt es so zu der bizarren Situation, dass Trumps eigene Berater Behauptungen des Präsidenten nachträglich korrigieren müssen. Ein Mann, dem viele Amerikaner dabei inzwischen am meisten vertrauen, ist der Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten, Doktor Anthony Fauci.

Anthony Fauci: Ein Experte, der auch dem Präsidenten widerspricht

Anthony Fauci: Ein Experte, der auch dem Präsidenten widerspricht

Foto: ALEX WONG/ AFP

Als Trump unlängst zum wiederholten Mal behauptete, Malaria-Mittel wie Chloroquine  könnten gegen das Coronavirus helfen und seien womöglich der größte "Game Changer" in der Geschichte der Medizin, wurde er von Fauci auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Es gebe für die Wirksamkeit der Medikamente bislang keine verlässlichen Belege, stellte Fauci vor der Presse nüchtern klar - da stand Trump noch neben ihm.

Fauci selbst gab in einem Interview  zu, er versuche stets die korrekten Fakten zu präsentieren. Notfalls halte er eben auch "dagegen". Erstaunlich dabei: Bislang hat Trump, der Widerspruch bekanntlich wenig schätzt, den Mediziner gewähren lassen.

Die Frage ist nur, wie lange noch. 

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