Debatte über ungarisches Zensurgesetz Tschechiens Präsident nennt Transgender-Personen »widerlich«

Ursula von der Leyen hält das ungarische Anti-LGBTQ-Gesetz für eine »Schande«, doch Tschechiens Präsident Miloš Zeman sieht das anders. In einem Interview stellt er sich nun hinter Viktor Orbán – und provoziert weiter.
Tschechiens Präsident Miloš Zeman: »Diese Transgender-Leute sind mir wirklich von tiefster Seele zuwider«

Tschechiens Präsident Miloš Zeman: »Diese Transgender-Leute sind mir wirklich von tiefster Seele zuwider«

Foto: GEORG HOCHMUTH / AFP

Der tschechische Präsident Miloš Zeman hat mit negativen Äußerungen über Transgender-Menschen Empörung ausgelöst. Er kritisierte geschlechtsangleichende Operationen und ein für Anfang August geplantes LGBT-Festival in Prag in einem Interview mit dem Fernsehsender CNN  Prima News scharf. In dem Gespräch ging es auch um das umstrittene Anti-LGBTQ-Gesetz in Ungarn.

Wer eine geschlechtsangleichende Operation vornehmen lasse, begehe »die Straftat der Selbstverstümmelung«, sagte Zeman etwa. »Jeder medizinische Eingriff ist ein Risiko – und diese Transgender-Leute sind mir wirklich von tiefster Seele zuwider«, so der 76-Jährige. Er finde Transgender-Personen »wirklich widerlich«, sagte der Präsident.

Transgender bedeutet, dass das eigene Geschlecht nicht mit den körperlichen Merkmalen übereinstimmt. Vertreter der LGBTQ-Gemeinde – die Abkürzung steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und queere Personen – beschuldigten Zeman, Hass zu verbreiten. Äußerungen wie seine würden sich negativ auf die psychische Gesundheit von LGBT-Personen auswirken.

In der vergangenen Woche war ein von Ungarns Regierung um Ministerpräsident Viktor Orbán eingeführtes Anti-LGBTQ-Gesetz europaweit in die Kritik geraten. Das Gesetz gegen »Werbung« für Homosexualität war in der vergangenen Woche vom ungarischen Parlament verabschiedet worden. Bildungsprogramme zu Homosexualität oder Werbung von Großunternehmen, die sich mit Homosexuellen solidarisch erklären, werden demnach verboten, ebenso wie Aufklärungsbücher zu dem Thema. Offizielles Ziel ist der Schutz von Minderjährigen.

Zeman zeigte in dem CNN-Interview nun Verständnis für das Gesetz, das EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen als »Schande« bezeichnete. Es verstoße gegen alle Werte der EU, hatte von der Leyen unter anderem gesagt.

»Ich sehe wirklich keinen Grund, nicht mit ihm übereinzustimmen«, sagte nun Zeman hingegen über den ungarischen Regierungschef Orbán, der das Anti-LGBTQ-Gesetz in seinem Land auf den Weg gebracht hatte. Orbán hatte zuletzt angekündigt, es trotz der anhaltenden Kritik nicht zurücknehmen zu wollen.

DER SPIEGEL

In Tschechien findet Anfang Oktober eine Parlamentswahl statt. Zeman kündigte an, persönlich die populistische ANO (Tschechisch für »Ja«) von Ministerpräsident Andrej Babiš wählen zu wollen. Aktuelle Umfragen sagen ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der liberalen Piratenpartei voraus, die sich unter anderen für die freie Wahl der Geschlechtsidentität einsetzt.

Zeman wettert gegen LGBT-Festival in Prag

Über das LGBT-Festival »Prague Pride«, das in diesem Jahr vom 2. bis 8. August stattfindet, sagte Zeman: »Wenn ich etwas jünger wäre, würde ich eine riesige Demonstration von Heterosexuellen in Prag organisieren, (...) um allen zu zeigen, wie sinnlos das ist.«

fek/dpa
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