Kremlkritiker Prag will Platz vor russischer Botschaft nach Nemzow benennen

Der russische Oppositionspolitiker Boris Nemzow wurde 2015 in Moskau erschossen. Ihm zu Ehren will Prag nun einen Platz umbenennen – ausgerechnet vor Russlands Vertretung im Land.
Nemzow-Gedenken in Moskau: 2015 wurde er Nahe des Kremls erschossen

Nemzow-Gedenken in Moskau: 2015 wurde er Nahe des Kremls erschossen

Foto: Sergei Ilnitsky/ dpa

Noch in diesem Monat möchte der Oberbürgermeister von Tschechiens Hauptstadt Prag dem ermordeten Kremlkritiker Boris Nemzow ein Denkmal setzen. Ausgerechnet der Platz vor Russlands Botschaft soll nach dem russischen Oppositionspolitiker benannt werden.

Er hoffe, dass die feierliche Umbenennung am Todestag des Politikers am 27. Februar stattfinden könne, sagte Oberbürgermeister Zdenek Hrib nach Angaben der Zeitung "Pravo". Die Koalitionspartner signalisierten bereits Unterstützung für den Politiker der Piratenpartei.

Prag wäre nicht die erste Stadt, die Nemzow auf diese Weise gedenkt.

  • In Litauen wurde bereits ein Platz in einer Grünanlage nahe der russischen Botschaft in Vilnius nach dem Politiker benannt.

  • Vor zwei Jahren hatte die US-Hauptstadt Washington den Straßenabschnitt vor der russischen Botschaft in "Boris-Nemtsov-Plaza" umbenannt.

Nemzow war am 27. Februar 2015 in der Nähe des Kremls auf offener Straße mit vier Schüssen erschossen worden. Der russische Oppositionspolitiker und frühere Vizeministerpräsident galt zeitweise als das bekannteste Gesicht der russischen Opposition: So kritisierte er zum Beispiel Präsident Wladimir Putin scharf und prangerte Russlands Krieg in der Ukraine an. Mehrfach saß Nemzow in Haft.

Zwei Jahre nach dem Mord an ihm wurden fünf Männer aus Tschetschenien schuldig gesprochen und zu Haftstrafen zwischen 11 und 20 Jahren verurteilt. Sie sollen den Auftragsmord ausgeführt haben. Dennoch wurden immer wieder Zweifel an der offiziellen Darstellung laut.

Prags Oberbürgermeister Hrib bewegt sich mit dem Namensplan nicht zum ersten Mal auf außenpolitisch heiklem Terrain. Erst vor Kurzem hatte Peking verärgert seine Städtepartnerschaft mit der Moldaumetropole aufgekündigt, nachdem Hrib die Entfernung einer Klausel über die Einheit Chinas aus dem Vertrag gefordert hatte.

asc/dpa