Menschen aus Russland und der Ukraine - gemeinsam unter einem Dach? Für zwei Familien ist das zur Realität geworden: Yulia Sarycheva und ihre drei Söhne mussten Anfang März vor dem Krieg in ihrer Heimatstadt Dnipro in der Ukraine fliehen. Mit dem Zug fuhren sie bis nach Prag und wurden dort von einem russischen Paar aufgenommen. Dass sie ausgerechnet hier Zuflucht finden würden, hätten sie nicht gedacht.
Yulia Sarycheva, ukrainische Geflüchtete »Im Zug herrschte Panik und wir wussten nicht, wo wir hinfahren. Nachts überkommen mich Wellen der Dankbarkeit dafür, dass ich Peter und Yulia kennengelernt habe.«
Der Künstler Peter Bankov und seine Frau Yulia Fedulova sind Teil der russischen Community in Tschechien. Das Paar hatte sich bei der Kirche gemeldet und angeboten, Geflüchtete aufzunehmen. Bankov positioniert sich trotz seiner russischen Herkunft klar gegen Putins Krieg, wie auf seinem Instagram-Account deutlich wird. Geflüchtete bei sich aufzunehmen, war ihm auch wichtig, weil seine eigenen Vorfahren im Zweiten Weltkrieg vor den Nazis fliehen mussten.
Peter Bankov, russisch-jüdischer Künstler »Die Geschichte dieser Flüchtlinge ist die gleiche, wie die meiner jüdisch-deutschen Familie. Jetzt muss ich helfen, weil diese Geschichte tief in meiner Erinnerung verankert ist.«
Yulia Sarycheva, die ebenfalls Künstlerin ist, musste ihren Mann in der Ukraine zurücklassen. Er durfte wegen des Krieges nicht ausreisen. Auch für ihren ältesten Sohn Serhiy war die Flucht eine Herausforderung.
Serhiy Sarychev, Yulia Sarychevas Sohn »Am Anfang war es ziemlich schwer und ich wollte gar nicht glauben, dass ich in Prag bin, vor allem, weil ich nur zwei Tage nachdem alles begann, schon hier gelandet bin. Also ja, das war schwierig. Aber jetzt habe ich Freunde gefunden und mir gefällt alles sehr.«
Yulia Sarycheva, ukrainische Geflüchtete »Ich kann mir nicht vorstellen, wie diese Geschichte ausgeht. Ich nehme alles als ein Geschenk Gottes, denn das hier ist etwas, das wir nie geplant haben.«
Ob oder wann sie in ihre Heimat zurückkehren, ist ungewiss. Vorerst können sie in der ungewöhnlichen WG bleiben – als Ukrainer bei Putin-kritischen Russen in Prag.