Langjähriger Mitarbeiter Verdacht auf russische Spionage im tschechischen Außenministerium

Der russische Geheimdienst soll seine »Schwäche für Frauen und Geld« ausgenutzt haben: Einem Mitarbeiter des Außenministeriums in Tschechien wird vorgeworfen, dem Kreml jahrelang Einblicke in geheime Dokumente ermöglicht zu haben.
Brücke in Prag: Im Außenministerium gibt es einen mutmaßlichen russischen Spionagefall

Brücke in Prag: Im Außenministerium gibt es einen mutmaßlichen russischen Spionagefall

Foto: MICHAL CIZEK/ AFP

In Tschechien sorgt ein mutmaßlicher Spionagefall für Schlagzeilen. Ein Mitarbeiter des tschechischen Außenministeriums soll jahrelang geheime Dokumente an Russland weitergegeben haben. Das berichtete die Zeitung »Denik N« am Donnerstagabend in ihrer Onlineausgabe unter Berufung auf Regierungschef Petr Fiala.

Der tschechische Inlandsgeheimdienst BIS habe den Mann über einen langen Zeitraum beobachtet. Der russische Auslandsgeheimdienst SWR habe seine »Schwäche für Frauen und Geld« ausgenutzt. Er sei inzwischen nicht mehr im Ministerium in Prag beschäftigt. Der Staatsbedienstete habe Zugang zu Dokumenten des höchsten Geheimhaltungsgrads gehabt, berichtete »Denik N« zudem mit Verweis auf Diplomatenkreise.

Die Beziehungen zwischen dem Nato- und EU-Mitgliedstaat Tschechien und Russland sind seit Langem äußerst angespannt. Tschechien hat die Ukraine nach eigenen Angaben gegen den russischen Aggressor seit Februar mit Waffenlieferungen im Wert von umgerechnet mehr als 160 Millionen Euro unterstützt.

Bereits im April 2021 beschuldigte die Regierung in Prag russische Geheimdienstoffiziere, für Explosionen in einem Munitionslager im Osten Tschechiens im Jahr 2014 verantwortlich zu sein. Der Kreml bestritt dies vehement. Beide Seiten wiesen gegenseitig Diplomaten aus.

Der Westen im Visier russischer Geheimdienste

Auch in Deutschland werden immer wieder Fälle russischer Spionage bekannt. So steht etwa ein Reserveoffizier aus Nordrhein-Westfalen unter Verdacht, dem russischen Militärgeheimdienst GRU über Jahre Informationen geliefert zu haben. In anderen Fällen sollen russische Geheimdienste Mitarbeiter deutscher Universitäten eingespannt haben.

In einer breit angelegten Offensive greifen Moskaus Geheimdienste den Westen an. Sie infiltrieren Computernetze, sie spionieren, agitieren und sabotieren – der SPIEGEL hatte dazu umfassend im August berichtet. Lesen Sie hier die ganze Geschichte. 

asc/dpa
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