Massendemo in Tschechien Zehntausende fordern in Prag Stopp der Russlandsanktionen

Die hohen Energiepreise sind auch in Tschechien ein großes Thema. Erneut sind Zehntausende auf die Straße gegangen, um gegen die Unterstützung der Ukraine zu protestieren – inklusive nationalistischer und prorussischer Töne.
Demonstration in Prag: »Tschechien an erster Stelle«, lautete das Motto

Demonstration in Prag: »Tschechien an erster Stelle«, lautete das Motto

Foto: Michal Kamaryt / CTK Photo / IMAGO

Tschechiens Regierung bezieht klar Stellung gegen den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Doch viele Menschen im Land tragen den Kurs offenbar nicht mit. Erneut haben Zehntausende in Prag gegen die liberalkonservative Regierung von Ministerpräsident Petr Fiala demonstriert.

Die Veranstalter forderten auf dem zentralen Wenzelsplatz den Rücktritt des Kabinetts und ein Ende der Russlandsanktionen infolge des Ukrainekriegs. Sie sprachen sich zudem für militärische Neutralität aus, obwohl Tschechien Nato-Mitglied ist. Zu Beginn der Veranstaltung unter dem Motto »Tschechien an erster Stelle« spielte eine als rechtsradikal geltende Band die Nationalhymne.

Zu den Hauptrednern zählte der Prager Wirtschaftsprofessor Miroslav Ševčík. Er behauptete, die Sanktionen gegen Russland würden dem Westen selbst am meisten schaden. Einen Gastauftritt hatte die deutsche AfD-Europaabgeordnete Christine Anderson. »Ihr Kampf ist mein Kampf«, sagte die 54-Jährige. Kleinere Kundgebungen gab es auch in Brünn (Brno) und Ostrava.

Die tschechische Regierung war zuletzt wegen der hohen Energiepreise unter Druck geraten. Sie reagierte vor Kurzem mit einem Entlastungspaket, das unter anderem Strom- und Gaspreisdeckel für Haushalte und Kleinabnehmer umfasst. Für Großverbraucher aus der Industrie stellte das Kabinett Fördermittel in Höhe von umgerechnet 1,2 Milliarden Euro bereit.

Im Nachbarland von Deutschland sind die hohen Energiepreise, die durch den russischen Krieg gegen die Ukraine nochmals gestiegen sind, ebenso Thema wie hierzulande. Bereits Anfang September waren rund 70.000 Menschen in Prag auf die Straße gegangen. Das Kabinett reagierte mit einem Strom- und Gaspreisdeckel. Tschechien hat derzeit die EU-Ratspräsidentschaft inne und übernimmt damit eine wichtige Vermittlerrolle in Europa.

mrc/dpa
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