Kampfhandlungen im Sperrgebiet Ukrainische Soldaten stellen sich in Tschernobyl russischen Truppen entgegen

Tschernobyl liegt nahe der ukrainisch-belarussischen Grenze. Nun sollen russische Truppen in das nukleare Sperrgebiet eingedrungen sein, laut Präsident Selenskyj gibt es Gefechte nahe dem Atommüll-Lager.
Blick auf Geisterstadt Prypjat im Sperrgebiet von Tschernobyl (Archivbild von 2020)

Blick auf Geisterstadt Prypjat im Sperrgebiet von Tschernobyl (Archivbild von 2020)

Foto: Dmytro Sidashev / PantherMedia / IMAGO

Russische Soldaten sollen in das nukleare Sperrgebiet von Tschernobyl eingedrungen sein. Das berichtet der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Vor Ort soll es demnach Kämpfe zwischen den Angreifern und ukrainischen Soldaten in unmittelbarer Nähe des Kraftwerksgeländers und des Atommüll-Lagers geben.

Selenskyj schrieb auf Twitter, russische Truppen würden versuchen, das gesamte Kraftwerk einzunehmen. Das sei eine »Kriegserklärung« an ganz Europa. »Unsere Verteidiger geben ihr Leben, damit sich die Tragödie von 1986 nicht wiederholt.«

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Anton Herashchenko, Berater des ukrainischen Innenministers, berichtete zuvor von Kampfhandlungen in unmittelbarer Nähe eines Kraftwerks. Die Gefechte könnten demnach die Schutzgebäude von vergrabenem radioaktivem Material zerstören.

Das 1986 havarierte Atomkraftwerk Tschernobyl liegt knapp 70 Kilometer nördlich der ukrainischen Hauptstadt Kiew – und nur etwa zehn Kilometer von der Grenze zu Belarus entfernt. Dort hat Russland Truppen stationiert.

Das Unglück von Tschernobyl am 26. April 1986 gilt als die größte Katastrophe in der zivilen Nutzung der Atomkraft. Hunderttausende wurden zwangsumgesiedelt. Damals gehörte die Ukraine noch zur Sowjetunion. Nach der Reaktorkatastrophe zog eine radioaktive Wolke bis nach Mitteleuropa.

Der vor knapp 36 Jahren zerstörte Reaktor in Tschernobyl ist mit einem riesigen Sarkophag ummantelt, damit kein radioaktives Material mehr nach außen gelangen kann.

Russland hat am Morgen mit einer umfangreichen Invasion der Ukraine begonnen. Die Streitkräfte des Kreml rückten in einer Zangenbewegung aus Belarus, von der russisch-ukrainischen Grenze und von der besetzen Krim-Halbinsel vor. Bis zum Mittag drangen sie bis an die Hauptstadt Kiew heran.

Selenskyj rief das Kriegsrecht aus und brach die diplomatischen Beziehungen zu Russland ab. Nach Angaben ukrainischer Grenzschützer sind mehr als 40 ukrainische Soldaten bisher getötet worden. Mehrere Dutzend wurden demnach verletzt. Es gebe auch zivile Opfer.

mrc