Türkisch-kurdischer Konflikt Türkei bombardiert kurdische Ziele in Syrien und Irak

Türkische Kampfflugzeuge haben Ziele kurdischer Kämpfer in Syrien und Nordirak angegriffen. Zu möglichen Opfern gab es zunächst keine Informationen. Laut einer kurdischen Nachrichtenagentur wurde ein Flüchtlingscamp getroffen.
Archivbild: Die Türkei griff im Jahr 2019 die syrische Stadt Ras al-Ain an

Archivbild: Die Türkei griff im Jahr 2019 die syrische Stadt Ras al-Ain an

Foto: OZAN KOSE/ AFP

Die Türkei hat nach Angaben des türkischen Verteidigungsministeriums Ziele kurdischer Kämpfer in Irak und Nordsyrien angegriffen. Bei der Operation seien Ausbildungslager, Stützpunkte und Munitionslager getroffen worden, teilte das Ministerium am Mittwoch mit. Es gab zunächst keine Angaben zu möglichen Opfern. Die Luftangriffe richteten sich gegen Kämpfer der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), die über Stützpunkte im Irak verfügt, sowie gegen die syrische Kurdenmiliz YPG, die beide von der Türkei als terroristische Gruppen eingestuft werden.

Laut der kurdischen Nachrichtenagentur »Rojava Information Center« wurde das Flüchtlingscamp Makhmour in Irak getroffen. Dort leben vor allem kurdische Flüchtlinge. Das Camp wurde in den Neunzigerjahren eröffnet, vor allem PKK-Kämpfer fanden dort Zuflucht.

Im Nordosten Syriens vertrieben Kämpfer der YPG 2012 die Regimetruppen von Baschar al-Assad. Vier Jahre später rief die kurdische Partei der Demokratischen Union die autonome Selbstverwaltung Nord- und Ostsyrien aus. Sowohl das syrische Regime als auch die Türkei werteten das als Provokation. Der Regierung in Ankara gilt die YPG als eine Terrororganisation, als syrischer Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, die seit Jahrzehnten Krieg gegen den türkischen Staat führt.

Diese Expansion verdanken die Kurden ihrem Kampf gegen die Terrormiliz »Islamischer Staat«. Unterstützt von der internationalen Anti-IS-Koalition vertrieben sie die Dschihadisten und übernahmen deren Territorien. Heute regiert dort die Autonome Verwaltung Nord- und Ostsyriens, die sich nicht als kurdisches Autonomieprojekt versteht, sondern als Modell gleichberechtigter Koexistenz aller Bevölkerungsgruppen. Im Vergleich zum übrigen Syrien gilt der Nordosten als einigermaßen stabil und sicher.

In Syrien entstand eine weitere Front: die Türkei gegen die YPG. Ein Krieg im Krieg. 2018 ließ der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan die mehrheitlich kurdische Stadt Afrin bombardieren, 2019 die Städte Ras al-Ain und Tall Abjad. Die Türkei hält seitdem eine 30 Kilometer tiefe »Schutzzone« entlang der Grenze besetzt. Inzwischen hat Assad wieder etwa zwei Drittel des Landes unter seiner Kontrolle. Der kurdische Nordosten und die Provinz Idlib sowie die von der Türkei besetzten Gebiete an der türkischen Grenze entziehen sich seiner Kontrolle.

höh/Reuters