Mord an russischem Botschafter Türkisches Gericht verurteilt fünf Verdächtige zu lebenslanger Haft

2016 erschoss ein Attentäter vor laufender Kamera Russlands Botschafter in Ankara. Nun müssen mehrere Verdächtige in dem Fall wohl bis zu ihrem Lebensende ins Gefängnis.
Der russische Botschafter Andrej Karlow kurz vor seinem Tod am 19. Dezember 2016

Der russische Botschafter Andrej Karlow kurz vor seinem Tod am 19. Dezember 2016

Foto: Burhan Ozbilici/ AP

Das Foto des Todesschützen ging um die Welt: Als am 19. Dezember 2016 der russische Botschafter Andrej Karlow bei einer Kunstausstellung in Ankara erschossen wurde, drückte ein Fotograf wenige Sekunden später auf den Auslöser – und lichtete den Täter noch mit der Waffe in der Hand ab. Wenig später wurde der Schütze selbst von Spezialkräften getötet.

Mehr als vier Jahre später hat ein türkisches Gericht nun fünf Verdächtige zu lebenslanger Haft verurteilt. Laut der Nachrichtenagentur Reuters erhielten drei Angeklagte eine zweifach lebenslängliche Haftstrafe ohne Möglichkeit auf Entlassung. Zwei weitere Personen wurden einfach zu lebenslanger Haft verurteilt – ebenfalls ohne Chance auf Strafaussetzung.

Sechs weitere Angeklagte seien freigesprochen worden, berichtete die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Sieben Angeklagte erhielten dem Sender NTV zufolge Strafen wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung.

Der Täter hatte während der Attacke auf Karlow »Allahu Akbar« und »Vergesst nicht Aleppo« gerufen und sich damit offenbar auf die Großstadt in Nordsyrien bezogen, die zuvor nach erbitterten Kämpfen von den syrischen Regierungstruppen mit Unterstützung der russischen Luftwaffe zurückerobert worden war.

Ankläger sahen Verbindungen zur Gülen-Bewegung

Der Prozess in dem Mordfall hatte im Januar 2019 begonnen. Den Angeklagten wurden Verbindungen zum Täter vorgeworfen. Dem Schützen selbst warf die Justiz vor, der Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen angehört zu haben, die von Ankara auch für den gescheiterten Militärputsch im Juli 2016 verantwortlich gemacht wird.

Laut der Anklage wollte die umstrittene Bewegung mit der Tat den Abbruch der türkisch-russischen Beziehungen bewirken und die beiden Länder an den Rand eines Krieges bringen.

fek/AFP/Reuters
Mehr lesen über Verwandte Artikel