Vergeltungsschläge Türkei greift Ziele in Idlib an

Die Türkei führt wie angekündigt Vergeltungsschläge gegen Syrien durch. In der Provinz Idlib hat das Land laut Präsident Erdogan umfassende Angriffe gestartet. Dabei seien Anlagen zum Bau von Chemiewaffen sowie Luftabwehrsysteme und Landebahnen zerstört worden.
Recep Tayyip Erdogan

Recep Tayyip Erdogan

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Der Konflikt zwischen Syrien und dem Nato-Mitglied Türkei eskaliert weiter. Laut Präsident Recep Tayyip Erdogan wurden in der syrischen Provinz Idlib umfassende Angriffe gestartet. Dabei seien Anlagen zum Bau von Chemiewaffen sowie Luftabwehrsysteme und Landebahnen zerstört worden, sagte Erdogan am Samstag. Mehrere Ziele, darunter auch Waffendepots und Flugzeughangars seien "unter schweren Beschuss genommen und zerstört" worden. Mehr als 300 Militärfahrzeuge seien zerstört worden, darunter mehr als 90 Panzer.

Am Donnerstag waren bei einem Luftangriff in Idlib mindestens 33 türkische Soldaten getötet worden. Die Türkei hatte mit Vergeltungsschlägen gedroht. Syrien könne es "auf die harte Tour lernen", sagte der türkische Uno-Botschafter Feridun Hadi Sinirlioglu in einer Sitzung des Sicherheitsrats am Freitag.

Idlib ist das letzte große Rebellengebiet in dem Bürgerkriegsland. Die Türkei unterstützt in dem Konflikt islamistische Rebellen. Mit Russland als Schutzmacht der syrischen Regierung hatte sie ein Abkommen getroffen, um in Idlib eine Deeskalationszone einzurichten, und hatte dort Beobachtungsposten eingerichtet. Eigentlich gilt auch eine Waffenruhe. In den vergangenen Wochen waren Truppen der syrischen Regierung mit russischer Unterstützung weiter in dem Gebiet vorgerückt.

Mit den türkischen Angriffe spitzt sich der Konflikt drastisch zu. Die EU hatte ein sofortiges Ende der Eskalation gefordert. Es gebe das Risiko einer "größeren, offenen internationalen militärischen Konfrontation", schrieb der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell am Freitag auf Twitter.

Laut der Nachrichtenagentur Reuters hat Präsident Erdogan hat den russischen Präsidenten Wladimir Putin aufgefordert, in Syrien "beiseite zu treten".

Als Druckmittel gegen Europa lässt Ankara an der türkisch-griechischen Grenze zudem Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa passieren.

Erdogan: "Wir haben die Tore geöffnet"

"Wir haben die Tore geöffnet", sagte Erdogan in Istanbul und warf der EU vor, sich nicht an die Zusagen aus diesem Flüchtlingspakt gehalten zu haben. Auf griechischer Seite ging die Polizei mit Tränengas gegen Menschen vor, die versuchten, einen geschlossenen Grenzübergang zu überqueren.

Aus Moskau war am Samstag zu hören, man wolle auf einen Abbau der Spannungen mit der Türkei hinarbeiten. Das sei das Ergebnis von Gesprächen der Vertreter beider Länder auf Ebene der Außen- und der Verteidigungsministerien, hieß es in einer Mitteilung  des russischen Außenministeriums. Fortgesetzt werden solle der Kampf gegen Terroristen, die vom Uno-Sicherheitsrat als solche eingestuft seien.

Ziel seien eine Stabilisierung der Lage und die Einhaltung der zwischen Russland und der Türkei für Syrien getroffenen Vereinbarungen, hieß es aus Moskau. Demnach hatten sich die Vertreter beider Länder zu Konsultationen vom 26. bis 28. Februar in Ankara getroffen.

Russland bezeichnet in der Regel alle Gegner des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad als Terroristen. Die Türkei unterstützt hingegen die Opposition in Syrien. Vereinbart worden seien auch ein besserer Schutz sowie humanitäre Hilfe für die Zivilbevölkerung innerhalb und außerhalb der Deeskalationszone in der Provinz Idlib.

Krisentreffen zu Idlib soll geplant sein

Der russische Präsident Wladimir Putin und sein türkischer Kollege Recep Tayyip Erdogan wollen sich kommende Woche in Moskau zu Krisengesprächen wegen der Lage in Idlib treffen. Der Termin ist nach Angaben des Kreml entweder am 5. oder am 6. März. Am Freitag hatten sich die beiden Staatschefs demnach auch in einem Telefonat äußerst besorgt gezeigt wegen der Lage in Idlib.

Nach den Angriffen auf türkische Soldaten hatte das Nato-Mitglied Türkei bereits am Freitag im Uno-Sicherheitsrat mit Vergeltungsschlägen gedroht. "Wenn sie es auf die harte Tour lernen wollen, können sie das haben", sagte Uno-Botschafter Sinirlioglu. Jede Provokation von syrischer Seite werde mit aller Macht beantwortet werden. Zudem forderte Ankara Beistand der Nato und der internationalen Gemeinschaft.

apr/abl/Reuters/dpa/AFP
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