Türkei Inhaftierte Anwältin stirbt am 238. Tag ihres Hungerstreiks

Sie war wegen Terrorismus verurteilt worden und trat im Gefängnis in den Hungerstreik: Nach 238 Tagen ist die türkische Anwältin Ebru Timtik in Istanbul gestorben. Ihr Tod sorgt für Empörung im Land.
Anhänger protestieren nach Ebru Timtiks Tod gegen die türkische Regierung

Anhänger protestieren nach Ebru Timtiks Tod gegen die türkische Regierung

Foto: TOLGA BOZOGLU/EPA-EFE/Shutterstock

Nach 238 Tagen im Hungerstreik ist die inhaftierte türkische Anwältin Ebru Timtik gestorben. "Ebru Timtik, Mitglied unserer Kanzlei, ist den Märtyrertod gestorben", schrieb die Anwaltskanzlei Halkin Hukuk Bürosu am Donnerstagabend auf Twitter. Ein Istanbuler Gericht hatte die 42-Jährige wegen Terrorvorwürfen zu mehreren Jahren Haft verurteilt. Sie war im Februar in den Hungerstreik getreten, um ein faires Verfahren vor Gericht zu erzwingen.

Wie Freunde von Timtik sagten, wog die Anwältin vor ihrem Tod nur noch 30 Kilogramm. Zuletzt habe sie nichts außer Zuckerwasser, Kräutertee und Vitamine zu sich genommen. Kollegen hatten zuletzt vor dem schlechten Zustand der Anwältin gewarnt. Ihr Tod löste in der Türkei Empörung unter Oppositionspolitikern aus.

"Ebru Timtik wurde vor unseren Augen in den Tod geschickt", schrieb Sezgin Tanrikulu, Politiker der sozialdemokratischen Oppositionspartei CHP, auf Twitter. Garo Paylan von der prokurdischen HDP twitterte: "Ebru Timtik wurde von den Tyrannen an der Macht massakriert!"

Timtik wurde im September 2018 festgenommen und im Jahr darauf von einem Istanbuler Gericht zusammen mit 17 weiteren Anwälten wegen "Gründung und Leitung einer Terrorgruppe" sowie der "Mitgliedschaft in einer Terrorgruppe" für schuldig befunden.

Gericht wollte Timtik nicht freilassen

Konkret wurde Timtik zur Last gelegt, als Mitglied einer linken Gruppierung Verbindungen zur verbotenen linksextremen DHKP-C zu haben. Die DHKP-C bekannte sich in der Vergangenheit zu mehreren tödlichen Anschlägen in der Türkei.

Timtik wurde zu einer Haftstrafe von 13 Jahren und sechs Monaten verurteilt - ein Berufungsgericht bestätigte das Urteil. Im Juli hatte sich ein Gericht in Istanbul geweigert, Timtik freizulassen, obwohl ein ärztliches Gutachten zu dem Schluss kam, dass ihr Gesundheitszustand eine Inhaftierung nicht mehr erlaubte.

Timtik war zuletzt mit dem Anwaltskollegen und Aytac Ünsal wegen ihres Gesundheitszustandes in Istanbuler Krankenhäusern behandelt worden. Der Präsident der Anwaltskammer von Izmir, Özkan Yücel, sagte, dort habe sich ihr Zustand sogar noch verschlechtert, weil "Foltermethoden" wie Dauerbeleuchtung angewendet worden seien.

mfh/AFP
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