Befürchtung neuer »Migrationskrise« Türkei kritisiert US-Programm zur Umsiedlung afghanischer Mitarbeiter

Die USA wollen afghanische Mitarbeiter aufnehmen, die vor den Taliban fliehen. Bis ihre Anträge bearbeitet sind, sollen sie sich in Drittstaaten aufhalten – etwa in der Türkei. Ankara nennt die Pläne »unverantwortlich«.
Migranten in der türkischen Grenzregion Van (Foto vom 27. Juli)

Migranten in der türkischen Grenzregion Van (Foto vom 27. Juli)

Foto: Anadolu Agency / Anadolu Agency via Getty Images

Jahrelang arbeiteten die USA und ihre internationalen Partner während ihres Militäreinsatzes in Afghanistan mit Ortskräften zusammen. Nach dem Abzug der Nato-Streitkräfte bleiben die Helfer im Land zurück – und müssen mit tödlicher Vergeltung durch die wiedererstarkenden Taliban rechnen.

Mit einem Programm will Washington es früheren afghanischen Mitarbeitern nun ermöglichen, in die USA umzusiedeln. Die Voraussetzungen dafür stoßen jedoch auf Kritik aus der Türkei.

So sieht das US-Programm etwa vor, dass Betroffene Afghanistan zunächst aus eigener Kraft verlassen und für zwölf Monate oder länger in einem Drittstaat unterkommen müssen. In dieser Zeit sollen ihre Anträge bearbeitet werden. Bereits in der Vergangenheit verließen viele Afghanen ihr Land gen Westen und kamen etwa in Pakistan, Iran oder der Türkei unter, bevor sie nach Europa weiterreisten.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

In der Türkei fürchtet man nun eine neue »große Migrationskrise«. Das Umsiedlungsprogramm werde das Leid der Afghanen auf den Migrationsrouten verstärken, teilte das türkische Außenministerium mit. Die Türkei habe »nicht die Kapazitäten, eine neue Migrationskrise im Namen eines Drittlandes zu bewältigen.« Die Entscheidung der USA sei unverantwortlich.

Bereits Millionen Geflüchtete aus Syrien in der Türkei

In der Türkei leben bereits rund 3,6 Millionen Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland Syrien, hinzu kommen Schätzungen zufolge bis zu einer halben Million Afghanen sowie Migranten aus anderen Ländern. Über Iran kommen laut Beobachtern an der Grenze zum Nachbarland täglich einige Hundert Migranten in die Türkei, überwiegend Afghanen, aber auch Menschen aus Pakistan und Iran.

Nach Einschätzung des Menschenrechtsanwalts Mahmut Kacan gibt es aber noch keinen neuen Trend zu massiver Migration aus Afghanistan in die Türkei. Bereits seit einigen Jahren kämen im Sommer vermehrt Afghanen ins Land, sagte Kacan, der sich in der Grenzprovinz Van für die Rechte von Migranten einsetzt, der Nachrichtenagentur dpa. Man müsse die Situation im Herbst nach dem Abzug der internationalen Truppen aus Afghanistan beobachten. Für viele sei die Türkei nur ein Transitland, so Kacan. Ihr eigentliches Ziel sei Europa.

DER SPIEGEL

Die Migrationsroute über die Türkei ist gefährlich. Oft werden Menschen von Schmugglern von der Grenzprovinz Van weiter in Großstädte wie Istanbul gebracht. Dabei kommt es immer wieder zu schweren Unfällen. Türkische Sicherheitskräfte entdeckten in Van am Dienstag 300 Migranten eingepfercht in einem Lastwagen. Die meisten davon stammten den Angaben nach aus Afghanistan. Im Juli vergangenen Jahres waren mindestens 60 Migranten ertrunken, als ihr Boot auf dem Vansee sank.

fek/dpa/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.