Gasstreit im Mittelmeer Athen fordert Dringlichkeitssitzung der EU-Außenminister

Seit der Entdeckung von reichen Gasvorkommen in der Ägäis gibt es heftigen Streit um deren Ausbeutung zwischen Griechenland und der Türkei. Athen verlangt nun eine Dringlichkeitssitzung der EU.
Türkische Kriegsschiffe sichern das Forschungsschiff "Oruc Reis" ab

Türkische Kriegsschiffe sichern das Forschungsschiff "Oruc Reis" ab

Foto: IHA / AP

Nachdem der Streit um Gas- und Ölbohrungen im östlichen Mittelmeer am Montag erneut eskaliert ist, hat Griechenland eine Dringlichkeitssitzung der EU-Außenminister gefordert. Das teilte das Büro des griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis mit. Die Türkei hatte zuvor die Entsendung eines Erkundungsschiffes vor die griechische Insel Kastellorizo angekündigt. Athen nannte dies eine "Bedrohung des Friedens" im östlichen Mittelmeer.

Ein Sprecher des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell warnte vor einer weiteren Eskalation und sagte, die Situation sei "äußerst besorgniserregend und muss in einem Dialog gelöst" werden. Er wollte sich nicht festlegen, ob am Dienstag schon ein Beschluss der EU zu erwarten sei.

Das türkische Forschungsschiff "Oruc Reis" befand sich nach Angaben der griechischen Marine am Dienstag südöstlich der griechischen Insel Kreta. Es wird von türkischen Marineschiffen begleitet und von griechischen Kriegsschiffen überwacht. Griechenland hält die Erkundungen in seinen Hoheitsgewässern für eine Bedrohung seiner Souveränität.

Die Türkei hat Erkundungen der "Oruc Reis" vor der türkischen Küste nahe der griechischen Insel Kastellorizo zwischen dem 10. und 23. August angekündigt. Ende Juli hatte Ankara noch verkündet, "für eine Weile" auf die umstrittenen Bohraktivitäten nahe der griechischen Insel Kastellorizo zu verzichten und mit Griechenland dem aktuellen EU-Ratsvorsitzenden Deutschland zu verhandeln.

Auch Zypern erhebt Ansprüche

Die Türkei hatte bereits am Freitag über die Entsendung des Schiffes "Barbaros Hayrettin" in das umstrittene Gebiet informiert.

Am Vortag hatten Griechenland und Ägypten ein Abkommen zur Errichtung einer ausschließlichen Wirtschaftszone im Mittelmeer geschlossen, die nur von ihnen genutzt werden darf. Das türkische Außenministerium hatte dieses Abkommen für "null und nichtig" erklärt.

Schon im Januar hatte Griechenland mit Zypern und Israel gegen den Willen Ankaras ein Abkommen über den Bau einer Gaspipeline durchs Mittelmeer unterzeichnet. Vergangenes Jahr hatte dann die Türkei ein Abkommen mit der Einheitsregierung in Libyen abgeschlossen, um sein Seegebiet auszuweiten. Dieses Abkommen wird wiederum von Ägypten, Zypern und Griechenland nicht anerkannt.

Seit der Entdeckung von reichen Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer, auch vor der Küste Zyperns, gibt es heftigen Streit um deren Ausbeutung. Sowohl die Republik Zypern als auch die Türkei und Griechenland erheben Anspruch auf die betreffenden Seegebiete.

mfh/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.