Türkei Erdoğan akzeptiert Rücktritt seines Schwiegersohns als Finanzminister

Berat Albayrak wollte als türkischer Finanzminister hinschmeißen, doch Recep Tayyip Erdoğan stimmte der Entscheidung zunächst nicht zu. Nun darf der Schwiegersohn gehen – ein Nachfolger steht bereits fest.
Türkischer Präsident Erdoğan (Archivbild)

Türkischer Präsident Erdoğan (Archivbild)

Foto: ADEM ALTAN / AFP

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat den Rücktritt seines Schwiegersohns vom Amt des Finanzministers angenommen. Das teilte Erdoğans Büro mit. 

Der Präsident würdigte Berat Albayraks Dienste als Finanzminister, der das Land mit "minimalem Schaden" durch Krisen wie die Corona-Pandemie geführt habe, hieß es. Am späten Abend ernannte Erdoğan schließlich den ehemaligen Verkehrsminister Lütfi Elvan zum neuen Finanzminister.

Rücktritt wohl Reaktion auf Chefwechsel bei der Zentralbank

Albayrak hatte am Sonntagabend überraschend seinen Rücktritt via Instagram erklärt. Zur Begründung gab er gesundheitliche Probleme an.

Beobachter gingen davon aus, dass Albayraks Rücktritt mit der Berufung Naci Agbals als neuer Notenbankchef zusammenhängt. Agbal war selbst von 2015 bis 2018 Finanzminister der Türkei und folgt auf Murat Uysal, den Erdoğan in der Nacht zu Samstag ohne Begründung entlassen hatte.

Agbal kündigte zunächst an, sich mit der Notenbank gegen den andauernden Verfall der türkischen Lira stemmen zu wollen. "Notwendige geldpolitische Entscheidungen werden unternommen", teilte Agbal mit.

Präsident Erdoğan hatte mehr als 24 Stunden lang offengelassen, ob er den Rücktritt annimmt. Für Irritation sorgte auch, dass in den wichtigen Medien des Landes, die zum Großteil der Regierung nahestehen, der Rücktritt Albayraks zunächst nicht thematisiert worden war.

Albayrak war seit Juli 2018 türkischer Finanzminister. Zwischenzeitlich war der Ehemann von Erdoğans Tochter Esra als dessen Nachfolger an der Spitze der Regierungspartei AKP gehandelt worden, er verlor laut der Nachrichtenagentur dpa aber zunehmend an Popularität.

Auch für die Partei selbst liegt die Zustimmung derzeit laut einer Metropoll-Umfrage auf dem Tiefpunkt. Nicht einmal 30 Prozent der türkischen Wahlberechtigten würden demnach für die AKP stimmen – so wenig wie kaum je zuvor seit ihrer Gründung. 

fek/dpa
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