Erdoğan beklagt schlechtes Verhältnis zu den USA »Kann nicht sagen, dass wir mit Herrn Biden einen guten Start hatten«

Einst nannte Joe Biden den türkischen Präsidenten einen »Autokraten«. Nun spricht Erdoğan in New York über das schlechte Verhältnis zu den USA. Die Entwicklung der Beziehungen verheiße »nichts Gutes«.
Erdoğan bei der Uno-Vollversammlung in New York

Erdoğan bei der Uno-Vollversammlung in New York

Foto:

EDUARDO MUNOZ / AP

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat schlechte Beziehungen zur US-Regierung unter Präsident Joe Biden beklagt. »Ich kann nicht sagen, dass wir mit Herrn Biden einen guten Start hatten«, sagte Erdoğan am Donnerstag in New York der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge. Mit Barack Obama, George W. Bush und Donald Trump hingegen habe er gut zusammengearbeitet.

Die derzeitige Entwicklung der Beziehungen zwischen den zwei Nato-Ländern »verheißt nichts Gutes«, so Erdoğan weiter. »In meiner bald 19-jährigen Führungslaufbahn als Premierminister und Präsident ist der Punkt, den wir mit Amerika erreicht haben, leider kein guter.« Die Außenminister beider Länder trafen sich im Zuge der Uno-Vollversammlung, nicht aber die Präsidenten.

Erdoğan: USA müssten »Preis« zahlen

Erdoğan kritisierte die Vereinigten Staaten für ihr Vorgehen in Afghanistan. US-Waffen seien nun »in den Händen der Taliban«. Die USA müssten dafür noch einen »Preis« bezahlen. Der türkische Präsident wiederholte zudem, dass sein Land nicht bereit sei, Flüchtlinge aus Afghanistan aufzunehmen: Die Türkei werde ihre Türen nicht öffnen, das Land sei kein »Freiluftkorridor«.

Erdoğan und Biden bei einer gemeinsamen Pressekonferenz 2016, damals war Biden Vize von US-Präsident Barack Obama

Erdoğan und Biden bei einer gemeinsamen Pressekonferenz 2016, damals war Biden Vize von US-Präsident Barack Obama

Foto: Sedat Suna/ dpa

Die Türkei und die USA liegen bei vielen Themen über Kreuz. Wegen des Kaufs des russischen Raketenabwehrsystems S-400 durch die Türkei hatten die USA unter Bidens Vorgänger Donald Trump Sanktionen gegen sie verhängt. »Für uns ist das S-400-Thema abgeschlossen. Es ist auch nicht möglich, dass wir zurückweichen«, sagte Erdoğan nun.

Biden nannte Erdoğan einen Autokraten und rief zu seiner Abwahl auf

Ende August, nachdem die Taliban Kabul eingenommen hatte, hatte US-Außenminister Antony Blinken die Türkei auf Twitter als wichtigen Partner in der Region bezeichnet . Doch schon vor seiner Wahl hatte sich Biden sehr kritisch zu Erdoğan geäußert.

Er sei »sehr besorgt« über Erdoğans Politik, sagte Biden im Interview mit der »New York Times«  mehrmals. Er bezeichnete den türkischen Präsidenten als »Autokraten« und rief zur Unterstützung der türkischen Opposition auf, »um Erdoğan zu besiegen«. Besonders die Kurden müsse man unterstützen, sagte Biden damals. Und er verwendete die Formulierung, die nun auch Erdoğan benutzte. Der türkische Präsident, so Biden damals, müsse »einen Preis zahlen«.

slü/dpa