Türkische Journalistin Sedef Kabas wegen Beleidigung Erdoğans zu Haftstrafe verurteilt

»Wenn ein Ochse in einen Palast geht, wird er kein König, sondern der Palast wird zum Stall«: Weil Journalistin Sedef Kabas dieses türkische Sprichwort öffentlich zitierte, muss sie nun ins Gefängnis.
Polizeibeamte eskortieren Sedef Kabas vor ihrem Auftritt vor Gericht in Istanbul

Polizeibeamte eskortieren Sedef Kabas vor ihrem Auftritt vor Gericht in Istanbul

Foto: Uncredited / dpa

Unter dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan wurde die Pressefreiheit in der Türkei eingeschränkt, Medienschaffende sehen sich erhebliche Repressalien ausgesetzt. Nun ist eine bekannte türkische Journalistin zu einer Haftstrafe verurteilt worden, weil sie öffentlich ein Sprichwort über einen Ochsen in einem Palast zitiert hat.

Ein Istanbuler Gericht sprach Sedef Kabas wegen Präsidentenbeleidigung schuldig und erteilte eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren und vier Monaten, wie die Anwaltsvereinigung MLSA mitteilte. Im Anschluss an die Entscheidung sei Kabas aber aus der Untersuchungshaft freigelassen worden.

Die Journalistin hatte im Januar in einer Fernsehsendung unter anderem das harte Vorgehen der türkischen Regierung gegen Kritiker angeprangert. Dort und später auf Twitter zitierte sie ein Sprichwort: »Wenn ein Ochse in einen Palast geht, wird er kein König, sondern der Palast wird zum Stall.« Den türkischen Präsidenten Erdoğan oder seinen Präsidialpalast in Ankara erwähnte sie nicht explizit.

Der Anwaltsvereinigung zufolge sagte Kabas im Gerichtssaal, sie habe den Präsidenten nicht beleidigt, sie habe aber das Recht, die Regierung zu kritisieren. Das sei auch ihre Pflicht als Journalistin. Die 52-Jährige war bereits 2014 kurzzeitig wegen einer Nachricht in sozialen Medien festgehalten worden. Damals hatte sie die Staatsanwaltschaft kritisiert, weil diese eine Korruptionsuntersuchung eingestellt hatte, in die auch Erdoğan verwickelt war.

asc/dpa
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