Nach Forderung der Ukraine Türkei stoppt russischen Getreidefrachter

Das russische Frachtschiff »Zhibek Zholy« ist von türkischen Behörden im Schwarzen Meer festgesetzt worden. Die Ukraine hatte zuvor darauf gedrängt, das Schiff zu konfiszieren. Das Getreide an Bord sei gestohlen.
Frachter »Zhibek Zholy« am 2. Juli nahe dem Schwarzmeerhafen Karasu

Frachter »Zhibek Zholy« am 2. Juli nahe dem Schwarzmeerhafen Karasu

Foto: Yoruk Isik / REUTERS

Die Türkei hat am Schwarzmeerhafen Karasu nach Angaben der Betreiberfirma ein unter russischer Flagge fahrendes Schiff mit Getreide angehalten. Der Zoll habe dem Frachter »Zhibek Zholy« vor der türkischen Schwarzmeerstadt die Weiterfahrt vorerst verweigert, sagte ein Verantwortlicher der Hafenfirma IC Ictas auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa.

Der ukrainische Botschafter in der Türkei, Wassyl Bodnar, hatte am Vortag im ukrainischen Fernsehen gesagt, dass am Montag über das weitere Schicksal des Schiffes entschieden werde. Die Ukraine hoffe, dass das Schiff beschlagnahmt und das Frachtgut konfisziert werde.

Nach Angaben der Plattform Marinetraffic kam der Frachter von der russischen Küstenstadt Noworossijsk. Der von Russland eingesetzte Chef der besetzten südukrainischen Region Saporischschja, Jewgeni Balizki, schrieb jedoch beim Nachrichtendienst Telegram, dass der Frachter am vergangenen Donnerstag aus dem Hafen Berdjansk abgelegt habe.

Ukraine vermutet Export von Diebesgut

Die Ukraine vermutet den illegalen Export gestohlenen Getreides durch Russland und hatte deshalb von türkischen Behörden die Untersuchung des Frachters verlangt. Das Schiff hatte nach Angaben eines Vertreters des Außenministeriums in Kiew Berdjansk mit 4500 Tonnen Getreide an Bord verlassen. In einem Schreiben des Generalstaatsanwalts vom 30. Juni an das Justizministerium in Kiew ist sogar von 7000 Tonnen Getreide die Rede.

Die internationale Gemeinschaft fordert von Russland seit Wochen, den Export von ukrainischem Getreide zu ermöglichen. Die Ukraine beklagt, dass durch die russische Kriegsmarine ihre Häfen im Schwarzen Meer blockiert seien. 

Ukraine exportierte im vergangenen Jahr mehr Getreide

Trotz des russischen Angriffskriegs hat die Ukraine in dem Ende Juni ausgelaufenen Wirtschaftsjahr 2021/22 acht Prozent mehr Getreide und Hülsenfrüchte exportiert als im Jahr davor. Nach 44,7 Millionen Tonnen im Vorjahreszeitraum seien 48,5 Millionen Tonnen ausgeführt worden, teilte das Agrarministerium in Kiew bereits am Freitag mit. Im Kriegsmonat Juni lag die Ausfuhr wegen des ausgefallenen See-Exports jedoch mit 1,4 Millionen Tonnen 44 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Russland und die Ukraine gehören zu den größten Weizenexporteuren und spielen eine wichtige Rolle für die Ernährungssicherheit in der Welt. Die Vereinten Nationen warnten zuletzt schon vor der größten Hungersnot seit Jahrzehnten.

fek/dpa/Reuters
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