Konflikt mit Griechenland Türkei verweigert Rücknahme eines Schiffes mit rund 400 Geflüchteten

Nach einem Maschinenschaden legte ein türkisches Schiff voller Geflüchteter auf Kos an. Ankara lehnt eine Rücknahme des Schiffes ab – und heizt so den Konflikt mit Griechenland weiter an.
Flüchtlinge in einem Lager auf der Insel Kos

Flüchtlinge in einem Lager auf der Insel Kos

Foto: AP

In Griechenland sind am Sonntag knapp 400 Geflüchtete von Bord eines unter türkischer Flagge fahrenden Frachtschiffes gegangen. Zwar hatten die griechischen Behörden dem Schiff gestattet, anzudocken. Dennoch warf Athen Ankara vor, das Flüchtlingsabkommen mit der EU zu verletzen. »Die Türkei ist ihrer Verantwortung gegenüber der EU erneut nicht nachgekommen«, sagte Handelsmarineminister Giannis Plakiotakis.

Die »Murat 729« hatte am Freitag nach Angaben der griechischen Behörden wegen eines Maschinenschadens in internationalen Gewässern ein Notsignal ausgesendet. Griechenland genehmigte daraufhin am Sonntagmorgen, das Schiff dürfe in einem Hafen der Insel Kos anlegen. Etwa 400 Flüchtlinge, die meisten davon aus Afghanistan, gingen nach Angaben der griechischen Behörden von Bord. Sie sollten unter Quarantäne gestellt und auf das Coronavirus getestet werden. Sechs Personen wurden zu Befragungen festgesetzt.

Griechenland hatte die Türkei seit Freitag vergeblich darum gebeten, das Schiff zurückzunehmen. Wegen der Weigerung der Türkei genehmigten die griechischen Behörden schließlich ein Anlegen in Kos. Plakiotakis warf der Türkei vor, »sich geweigert zu haben, ein unter türkischer Flagge fahrendes Schiff zurückzunehmen, das von einem türkischen Hafen aus gestartet ist«.

Griechenland und die Türkei werfen einander regelmäßig vor, sich nicht an das Flüchtlingsabkommen zwischen der EU und Ankara zu halten. Es wurde im März 2016 geschlossen und sieht vor, dass die Türkei die Zahl der Zuwanderer begrenzt, die über ihr Gebiet in die EU kommen. Im Gegenzug erhält die Türkei EU-Finanzhilfen in Milliardenhöhe.

dak/AFP/Reuters
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