EU-Außengrenze Türkei wirft Griechenland Tötung eines Migranten vor - Athen dementiert

Griechische Grenzschützer sollen auf Flüchtlinge geschossen und dabei einen Menschen getötet haben, sagt die Türkei. Athen spricht von "Falschmeldungen".
Griechische Soldaten an der türkisch-griechischen Grenze

Griechische Soldaten an der türkisch-griechischen Grenze

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FLORION GOGA/ REUTERS

Die Türkei wirft griechischen Sicherheitskräften vor, an der Grenze einen Migranten getötet und fünf weitere verletzt zu haben. Griechenland wies dies am Mittwoch umgehend als falsch zurück.

Zwei Vertreter der türkischen Sicherheitskräfte und die Behörden der türkischen Stadt Edirne erklärten, die griechische Polizei und Grenzschützer hätten nahe des Grenzübergangs Pazarkule mit scharfer Munition geschossen. Daraufhin sei ein Migrant in einem Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen. Fünf weitere seien an Kopf und Beinen verletzt worden.

"Die Türkei verbreitet Falschmeldungen"

Ein Sprecher der griechischen Regierung reagierte mit einem scharfen Dementi. "Die Türkei verbreitet Falschmeldungen", sagte er. "Angebliche Verletzte durch griechische Schüsse weise ich kategorisch zurück", sagte der Regierungssprecher. "Wo sie vorher von Verletzten sprachen, reden sie nun von Toten", fügte er hinzu. "Die Fake News haben kein Ende, es gibt keinen solchen Vorfall mit Schüssen von griechischen Beamten."

Auch Augenzeugen berichteten nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) von Schüssen im griechisch-türkischen Grenzgebiet, es gibt Bilder von Verletzten aus dem Krankenhaus im türkischen Edirne. Eine dpa-Reporterin an der Grenze hatte am Vormittag zunächst mindestens drei, kurz darauf eine Serie weiterer Schüsse gehört. Danach sei ein Ambulanzwagen in hohem Tempo aus dem Grenzgebiet gefahren, berichtete sie.

Bereits am Dienstag hatte Griechenland Darstellungen aus der Türkei bestritten, dass griechische Sicherheitskräfte drei Migranten getötet hätten, die auf griechisches Gebiet gelangen wollten.

An der Grenze zu Griechenland haben sich auf türkischer Seite mehr als 10.000 Migranten versammelt, um von dort aus nach Westeuropa zu kommen. Es handelt sich vor allem um Menschen aus dem Bürgerkriegsland Syrien, aus anderen Staaten des Nahen Ostens und Afghanistan. Die Türkei rechnet mit weiteren Flüchtlingen aus Syrien. Sie hat vergangene Woche erklärt, die Menschen nicht länger an der Weiterreise zu hindern - obwohl sie dazu nach dem Abkommen mit der EU aus dem Jahr 2016 eigentlich verpflichtet wäre.

Die Lage an der griechisch-türkischen Grenze ist seitdem unübersichtlich. Griechenland hat seine Grenze zur Türkei geschlossen und hält Flüchtlinge mit Gewalt vom Grenzübertritt ab. Die griechische Polizei setzte Tränengas ein, auch von türkischer Seite wurden Berichten zufolge solche Geschosse über den Grenzzaun gefeuert. Nach Angaben griechischer Sicherheitskräfte sollen auch Migranten auf der türkischen Seite mit Tränengas ausgestattet sein.

Auf den griechischen Inseln sind derweil Hunderte Menschen mit Booten angekommen. Griechenland will die Migranten nicht mehr registrieren und sie so schnell wie möglich ausweisen. Neu ankommende Flüchtlinge werden auf Lesbos am Hafen eingesperrt. Einige von ihnen sollen von der Marine in ein Lager auf dem Festland gebracht werden.

mfh/dpa
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