Nach Bericht über Geheimdienst Zwei Journalisten in der Türkei verhaftet

Ein Mitarbeiter des türkischen Geheimdienstes soll in Libyen getötet worden sein. Der oppositionelle Sender Oda TV berichtete über die Beerdigung - nun wurden zwei Führungskräfte in Untersuchungshaft genommen.

Ein Bericht über die Beerdigung eines Mitarbeiters des Geheimdienstes MIT wurde ihnen zum Verhängnis: Die türkische Justiz hat zwei Journalisten in Untersuchungshaft genommen. Das berichteten die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu und der Arbeitgeber der beiden Journalisten, die oppositionelle Online-Plattform Oda TV, übereinstimmend.

Baris Terkoglu und Hülya Kilinc werde vorgeworfen, die Identität des MIT-Mitarbeiters preisgegeben und dadurch gegen das Geheimdienstgesetz verstoßen zu haben. Laut Anadolu drohen ihnen bis zu neun Jahre Haft.

Die Journalisten wurden der Zeitung "Hürriyet" zufolge bereits Anfang der Woche festgenommen, nachdem auf Oda TV das Begräbnis eines mutmaßlich in Libyen getöteten türkischen Geheimdienstmitarbeiters gezeigt worden sein soll. Die Website gab demnach den Vornamen sowie den ersten Buchstaben des Nachnamen des Mannes an und berichtete, der mutmaßliche Agent sei im Westen des Landes begraben worden.

Oda TV wies die Vorwürfe gegen seine führenden Mitarbeiter zurück: Die Identität des Mannes sei bereits von einem türkischen Oppositionspolitiker bekanntgemacht worden.

Innenminister verweist auf "nationale Sicherheit"

Innenminister Süleyman Soylu kritisierte die Veröffentlichung des Artikels. "Es gibt so etwas, das nennt sich Staatsgeheimnisse - Geheimnisse, die mit der nationalen Sicherheit zusammenhängen", sagte er in einem Fernsehinterview.

Die Türkei steht international regelmäßig wegen ihrer systematischen Einschränkung der Pressefreiheit in der Kritik. Das Land belegt derzeit den 157. Platz auf der Rangliste der internationalen Pressefreiheit der Organisation Reporter ohne Grenzen. Nach Angaben des Komitees zum Schutz von Journalisten (CPJ) saßen im Dezember insgesamt 47 Journalisten in der Türkei im Gefängnis.

mes/dpa/AFP
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