Zehn Jahre Arabischer Frühling Tunesien ruft Europa zu mehr Hilfe auf

Vor zehn Jahren begann in Tunesien der Arabische Frühling. Seitdem hat sich das Land als einziges der Region zur Demokratie entwickelt. Parlamentspräsident al-Ghannouchi bittet nun um mehr Hilfe aus der EU.
Tunis im Jahr 2011: Der Beginn einer Revolution

Tunis im Jahr 2011: Der Beginn einer Revolution

Foto: FETHI BELAID/ AFP

Der tunesische Parlamentspräsident Rached al-Ghannouchi hat in einem Telefoninterview mit dem »Tagesspiegel « mehr wirtschaftliche Hilfen aus der EU für sein Land gefordert. »Deutschland und Europa haben viel für uns getan, aber sie könnten noch mehr tun. Nicht zu investieren würde mehr Instabilität bedeuten, und diese Instabilität würde auch die Terrorgefahr erhöhen«, sagte er demnach.

Sein Land stehe politisch besser da als alle anderen Staaten der arabischen Welt. Sie seien »die einzige erfolgreiche Demokratie in der arabischen Welt«. Er sagte: »Wir sind wie ein einsamer Baum in der Wüste, aber wir haben keinen Schutz um uns herum, der uns vor den Winden und den Herausforderungen schützt.« Die politischen Forderungen von 2010 sehe er weitgehend als erfüllt an. Wirtschaftlich laufe es weniger gut.

Tunesien war 2010 Ausgangspunkt des Arabischen Frühlings: Der Gemüsehändler Mohamed Bouazizi in der Kleinstadt Sidi Bouzid hatte sich nach einer Auseinandersetzung mit dem örtlichen Ordnungsamt aus Protest gegen die Willkür im Staat von Machthaber Zine el-Abidine Ben Ali selbst angezündet. Er starb an seinen Verletzungen im Januar 2011, dem Jahr es »Arabischen Frühlings«.

Dieser Fall war der Katalysator für wochenlange Proteste im Land, ebenfalls im Januar musste Ben Ali vor seinem Volk flüchten und nach Saudi-Arabien ins Exil gehen. Es folgten Massenproteste in Libyen, Ägypten, Syrien und dem Jemen. Doch nur in Tunesien haben Demokraten den Kampf um die Macht und Freiheit gewonnen (lesen Sie hier eine Analyse).

höh
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