Nach Berichten Tunesien will keine diplomatischen Beziehungen zu Israel aufbauen

Unter Vermittlung der USA normalisierte Israel zuletzt seine Beziehungen zu einer ganzen Reihe an arabischen Ländern. Eine US-israelische Delegation reiste eigens nach Marokko. Tunesien will davon aber nichts wissen.
Ein Blick über die tunesische Hauptstadt Tunis: Die Regierung will keine diplomatischen Beziehungen zu Israel aufbauen

Ein Blick über die tunesische Hauptstadt Tunis: Die Regierung will keine diplomatischen Beziehungen zu Israel aufbauen

Foto: LIONEL BONAVENTURE/ AFP

Tunesien will keine diplomatischen Beziehungen zu Israel aufbauen. Das teilte das Außenministerium des nordafrikanischen Landes mit. Die Aussagen der tunesischen Regierung folgen auf Spekulationen, dass Tunesien als nächstes Land seine Beziehungen mit Israel normalisieren könnte.

In einer Erklärung des Außenministeriums hieß es, dass Tunesien die Souveränität anderer Länder respektiere und es die grundsätzliche Haltung des Landes sei. Veränderungen auf internationaler Ebene würden keinen Einfluss darauf haben. Die »New York Times«  hatte am Montag in Bezug auf Beamte der Administration von US-Präsident Donald Trump berichtet, dass Oman und Tunesien die nächsten Staaten sein könnten, die Beziehungen zu Israel aufnehmen.

In den vergangenen Monaten hatten sich neben Marokko und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) auch Bahrain und der Sudan an Israel angenähert. Die USA vermittelten zwischen den israelischen Verbündeten und den arabischen Ländern. Die Palästinenser kritisierten das Vorgehen hingegen, sie sehen einen Verrat an ihrer langjährigen Forderung, als eigener Staat anerkannt zu werden.

US-israelische Delegation in Marokko

Nach der Annäherungsvereinbarung Marokkos mit Israel besuchte am Dienstag eine US-israelische Delegation das nordafrikanische Land. Sie flog in Tel Aviv ab und landete in der Hauptstadt Rabat, wie die staatliche marokkanische Agentur MAP meldete.

An Bord der Maschine der israelischen Fluggesellschaft El Al waren unter anderem Jared Kushner, Berater und Schwiegersohn des amtierenden US-Präsidenten Donald Trump, sowie der israelische Sicherheitsberater Meir Ben-Schabat. Es war der erste Direktflug zwischen beiden Ländern seit Jahrzehnten. Ben-Schabat sprach von einem »historischen israelischen Direktflug« nach Rabat. »Vor unseren Augen wird Geschichte geschrieben.«

Am Abend unterzeichneten die drei Länder eine gemeinsame Erklärung. Darin halten Marokko und Israel die Aufnahme voller diplomatischer Beziehungen fest. Zudem bekennen sie sich zu einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit. So wollen die beiden Länder eine direkte Flugverbindung aufnehmen. Der marokkanische Außenminister Nasser Bourita erklärte, Marokko und Israel planten zudem, innerhalb von zwei Wochen die Verbindungsbüros wiederzueröffnen.

Für Trump und Israels Präsidenten Benjamin Netanyahu sind die Annäherungen ein großer PR-Erfolg. Trump inszenierte sich im Zuge der Vereinbarungen als großer Verhandler und ließ die Erklärung mit den VAE sogar als »Abraham Accords« bezeichnen. Netanyahu bemüht sich hingegen seit Langem um eine Annäherung an die arabische Welt, insbesondere an Saudi-Arabien.

hba/Reuters/dpa
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