Chaotisches TV-Duell Trump will keine Regeländerungen

Nach der Fernsehdebatte zwischen Donald Trump und Joe Biden hatte die zuständige Kommission Konsequenzen angekündigt. Doch Trump sieht sich als Gewinner - und sträubt sich gegen Verschärfungen.
US-Präsident Donald Trump: "Warum sollte ich der Debatten-Kommission erlauben, die Regeln für die zweite und dritte Debatte zu ändern, wenn ich die erste so leicht gewonnen habe?"

US-Präsident Donald Trump: "Warum sollte ich der Debatten-Kommission erlauben, die Regeln für die zweite und dritte Debatte zu ändern, wenn ich die erste so leicht gewonnen habe?"

Foto: Kevin Dietsch / Pool via CNP /MediaPunch / imago images/MediaPunch

US-Präsident Donald Trump sträubt sich nach dem chaotischen ersten Fernsehduell mit seinem Wahlherausforderer Joe Biden gegen Regeländerungen bei den Debatten. "Warum sollte ich der Debatten-Kommission erlauben, die Regeln für die zweite und dritte Debatte zu ändern, wenn ich die erste so leicht gewonnen habe?", schrieb der Republikaner am Donnerstag bei Twitter.

Die für die Organisation der Präsidentschaftsdebatten zuständige Kommission hatte am Mittwoch angekündigt, nach dem viel kritisierten Debattenauftakt zwischen Trump und Biden die Regeln verschärfen zu wollen. Geplant seien "zusätzliche Instrumente, um die Ordnung aufrechtzuerhalten".

Der Ablauf habe deutlich gemacht, "dass das Format der verbliebenen Debatten zusätzliche Struktur braucht, um eine geregeltere Diskussion über die Themen sicherzustellen", teilte die Kommission für Präsidentschaftsdebatten mit. Details nannte sie zunächst nicht. Das erste Fernsehduell des republikanischen Amtsinhabers und seines demokratischen Rivalen am Dienstagabend war chaotisch verlaufen, Trump war Biden, aber auch Moderator Chris Wallace immer wieder ins Wort gefallen. Eine richtige Diskussion kam über weite Teile des Abends nicht zustande.

Wallace zeigte sich "enttäuscht" über den Verlauf des TV-Duells, sprach sich aber gegen Vorschläge aus, den Moderatoren bei den nächsten Debatten zu ermöglichen, den Kandidaten die Mikrofone abzudrehen. "Praktisch hätte der Präsident, selbst wenn sein Mikrofon abgeschaltet gewesen wäre, weiterhin unterbrechen können", sagte er der "New York Times".

Auch Trumps Wahlkampfteam ist gegen Änderungen

Der Sprecher von Trumps Wahlkampfteam, Tim Murtaugh, ist ebenfalls gegen Änderungen: "Präsident Trump war die dominierende Kraft, und jetzt versucht Joe Biden, die Schiedsrichter zu bearbeiten. Sie sollten nicht mitten im Spiel die Torpfosten versetzen und die Regeln ändern", teilte er mit.

Die Regeln für die Debatten werden von der zuständigen Kommission in Abstimmung mit den Wahlkampfteams getroffen.

Vor der Wahl am 3. November stehen noch zwei TV-Debatten zwischen Trump und Biden an. Die zweite ist für den 15. Oktober angesetzt. Sie ist ohnehin in einem anderen Format als die erste vorgesehen - als Fragestunde für Wähler. Die dritte ist nach jetzigem Stand wieder als 90-minütiges Rededuell mit einem Moderator geplant. Am 7. Oktober treffen zudem Vizepräsident Mike Pence und Bidens Vizekandidatin Kamala Harris aufeinander. 

In Umfragen für die Wahl am 3. November liegt Trump derzeit zurück. Für ihn ist es deswegen besonders wichtig, bei den Fernsehduellen gegen Biden zu punkten. Trumps Einschätzung, dass er als Sieger aus der Debatte hervorging, widersprachen Blitzumfragen der Sender CNN und CBS unmittelbar danach. Demnach hielt eine Mehrheit Biden für erfolgreicher bei dem TV-Duell.

Trump nutzte am Mittwochabend (Ortszeit) einen Wahlkampfauftritt in Duluth im US-Bundesstaat Minnesota, um vor Anhängern seine Version der Debatte zu schildern und seine Angriffe auf Biden fortzusetzen. "Ich habe Joe Biden für seine 47 Jahre der Lügen, 47 Jahre des Verrats und 47 Jahre des Scheiterns zur Rechenschaft gezogen", sagte Trump in Anspielung auf die lange politische Karriere seines Kontrahenten. "Joe Biden ist zu schwach, um dieses Land zu führen."

Biden hatte am Mittwoch mit Blick auf die Debatte auf Twitter geschrieben: "Letzte Nacht hat untermauert, warum ich in dieses Rennen eingestiegen bin: Wir befinden uns in einem Kampf um die Seele dieser Nation - und es ist ein Kampf, den wir gewinnen müssen."

In den USA sahen nach Angaben des Instituts Nielsen mehr als 73 Millionen Menschen die Debatte im Fernsehen. Das waren weniger Zuschauer als 2016, als schätzungsweise 84 Millionen Menschen die erste Debatte zwischen Trump und der demokratischen Kandidaten Hillary Clinton schauten. Nielsen erfasst allerdings nicht alle Onlinedienste, über die die Debatte gestreamt werden konnte.

ngo/dpa/AFP/Reuters