Pressekonferenz in Warschau Ukrainische Aktivistin hält Wutrede vor Boris Johnson

Mehr als zwei Minuten hörte der britische Premier Johnson ihr zu und schwieg: Eine nach Polen geflohene ukrainische Aktivistin warf der Nato vor, Angst vor einer Eskalation mit Russland zu haben.
Johnson und die Aktivistin Kaleniuk

Johnson und die Aktivistin Kaleniuk

Foto: Richard Pohle / Pool / REUTERS

Die ukrainische Aktivistin Daria Kaleniuk hat mit einem aufsehenerregenden Auftritt in Warschau den britischen Premierminister Boris Johnson konfrontiert. Die vor einigen Tagen aus ihrer Heimat nach Polen geflohene Frau warf Johnson und der Nato vor, aus Angst vor einer weiteren Eskalation mit Russland keine Flugverbotszone über der Ukraine einrichten zu wollen.

»Die Nato will nicht einschreiten, denn die Nato hat Angst vor dem dritten Weltkrieg, aber der hat schon begonnen und es sind ukrainische Kinder, die getroffen werden«, sagte Kaleniuk. Sie kritisierte die bisherigen britischen Sanktionen gegen russische Oligarchen als nicht konsequent genug. »Sie kommen nach Polen, Sie kommen nicht nach Kiew, denn Sie haben Angst«, warf die Chefin einer Antikorruptionsorganisation Johnson vor.

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Über rund zwei Minuten hinweg blickte der Premierminister die Ukrainerin betreten an und nickte ihr fast durchweg zustimmend zu. Er sei froh, dass sie es nach Warschau geschafft habe und ihre Frage stellen könne, sagte Boris Johnson schließlich. Dann gab er zu, Großbritannien könne der Ukraine nicht so helfen, wie sie es sich vorstelle. Mit einer Flugverbotszone müsse die Nato russische Flugzeuge abschießen und sich in den direkten Kampf begeben. »Das können wir nicht tun«, sagte er. »Die Konsequenzen daraus wären sehr, sehr schwierig zu kontrollieren.«

Daria Kaleniuk während der Pressekonferenz

Daria Kaleniuk während der Pressekonferenz

Foto:

POOL / REUTERS

Eine Flugverbotszone über der Ukraine hatte zuvor schon Vizepremierminister Dominic Raab abgelehnt. Diese sei nicht durchsetzen. Selbst wenn Russland Kiew einnehmen sollte, sei der Konflikt nicht vorbei, sagt Raab im Sender Sky News.

Die US-Regierung lehnt die Einrichtung einer Flugverbotszone ebenfalls ab. Präsident Joe Biden habe sehr deutlich gemacht, dass er nicht die Absicht habe, US-Truppen in einen Krieg mit Russland zu schicken, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, am Montag. Eine Flugverbotszone wäre ein Schritt in diese Richtung, denn diese müsste entsprechend umgesetzt werden. »Sie würde die Entsendung von US-Militär erfordern, um sie durchzusetzen, was einen direkten Konflikt, einen potenziell direkten Konflikt und einen potenziellen Krieg mit Russland bedeuten würde, an dem wir uns nicht beteiligen wollen«, sagte Psaki.

als/dpa/Reuters