Kampf gegen Russland Ukrainischer Außenminister Kuleba fordert westliche Kampfflugzeuge

»Vergessen wir die sowjetischen Systeme, das ist vorbei«: Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba ist auf Deutschlandbesuch – und fordert mit markigen Worten neue Waffen. Die Bundesregierung lobt und kritisiert er zugleich.
Ukrainischer Außennminister Dmytro Kuleba

Ukrainischer Außennminister Dmytro Kuleba

Foto: Tobias Schwarz / AFP

Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba hat während seines Deutschlandbesuchs die Lieferung westlicher Kampfjets und Raketenabwehrsysteme für die Verteidigung seines Landes gegen Russland gefordert. »Vergessen wir die sowjetischen Systeme, das ist vorbei«, sagte er in einem Interview der »Welt« . »Wenn dieser Krieg weiter andauert, werden die letzten Lagerbestände an sowjetischen Waffen bald aufgebraucht sein in den Ländern, die bereit sind, sie uns zu geben. Einige sind es schon jetzt.«

Die Nato-Staaten hatten bei den Waffenlieferungen in die Ukraine zunächst auf sowjetische Waffensysteme gesetzt, weil sie von den ukrainischen Soldaten leichter bedient werden könnten. Inzwischen werden aber auch immer mehr Waffen westlicher Bauart in das Kriegsgebiet geschickt.

»Da stimmen die Dimensionen nicht, das sieht nicht gut aus.«

Dmytro Kuleba über deutsche Waffenlieferungen

Kuleba, der in dem Interview bekannte, jeden Abend zur Entspannung eine Zigarre zu rauchen, kritisierte erneut die deutsche Zögerlichkeit bei Waffenlieferungen. Er betonte, dass die von Deutschland zugesagten Gepard-Flugabwehrpanzer gar nicht von der Ukraine angefragt wurden. »Es stimmt, dass wir nicht um den Gepard gebeten hatten, ausschlaggebend für die Bundesregierung scheint eher gewesen zu sein, uns etwas zu geben, was sie selbst nicht braucht«, sagte er. Er monierte auch, dass es zunächst keine Munition für den Gepard gegeben habe. »Erst etwas zuzustimmen, worum wir nicht gebeten hatten, und dann festzustellen, dass das System gar nicht betrieben werden kann, wirft einige Fragen auf.«

Auch die Lieferung von sieben deutschen Panzerhaubitzen 2000 – schwere, moderne Artilleriegeschütze – kritisierte Kuleba als unzureichend. »Zur selben Zeit, als diese Nachricht kam, erhielt ich die Nachricht aus einem sehr kleinen EU-Land, das uns ebenfalls sieben Stück desselben Systems geben wollte. Da stimmen die Dimensionen nicht, das sieht nicht gut aus.« Die Gepard-Panzer und die Panzerhaubitzen sind bisher die einzigen schweren Waffen, die Deutschland der Ukraine zugesagt hat.

Lob des ukrainischen Außenministers gab es hingegen für Deutschlands Drängen auf ein Ölembargo gegen Russland: Hier nehme Deutschland inzwischen eine »starke, sogar führende Rolle« in der EU ein, sagte er.

Ukraine drängt in die EU

Kuleba nimmt auf Einladung von Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) am G7-Außenministertreffen in Schleswig-Holstein teil. Kuleba will dabei auch die Gespräche zu einer Mitgliedschaft der Ukraine in der EU vorantreiben. Der Außenminister betonte, sein Land werde nicht auf eine EU-Beitrittsperspektive verzichten. Zum Vorschlag des französischen Präsidenten Emmanuel Macron einer neuen europäischen Gemeinschaft sagt Kuleba, dass die Zielrichtung noch unklar sei. Auf keinen Fall sei es akzeptabel, wenn dies als Alternative zu einem EU-Kandidatenstatus gedacht sein sollte.

Am Donnerstag traf sich Kuleba in Berlin mit Vertretern der Ampelkoalition. Nach einem Gespräch mit SPD-Chef Lars Klingbeil und SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich sagte er: »Die Vorkriegsgeschichte in den deutsch-russischen Beziehungen und die Rolle der Sozialdemokraten ist etwas, das nun Geschichte ist.« Klingbeil betonte, die SPD unterstütze das Bestreben der Ukraine, Mitglied der EU zu werden.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Kuleba kam auch mit FDP-Chef und Finanzminister Christian Lindner und dem FDP-Fraktionsvorsitzenden Christian Dürr zusammen, anschließend gab er eine gemeinsame Pressekonferenz mit Wirtschaftsminister Robert Habeck. Laut der Nachrichtenagentur dpa begrüßte dieser Kuleba mit den Worten: »Herzlich willkommen im Ministerium für Wirtschaft, Klimaschutz und Unterstützung für die Ukraine.«

Die Regierung in Kiew hatte die Bundesregierung auch über ihren Botschafter Andrij Melnyk in den vergangenen Wochen scharf kritisiert, vor allem wegen der ihrer Ansicht nach zu zögerlichen Haltung in der Frage der Lieferung von Waffen an die Ukraine. Die Weigerung der ukrainischen Regierung, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Kiew zu empfangen, wuchs sich zu einem diplomatischen Streit aus. Kanzler Scholz reiste deshalb nicht nach Kiew, inzwischen hat Außenministerin Baerbock die ukrainische Hauptstadt besucht.

slü/dpa