Zerstörte Infrastruktur Ukraine befürchtet härtesten Winter ihrer Geschichte
Schäden nach russischem Angriff auf Wasserkraftwerk in der Region Cherson (2023)
Foto: Andrei Rubtsov / ITAR-TASS / IMAGODie Ukraine geht wegen der durch russische Angriffe zerstörten Strom- und Energieinfrastruktur von einem kalten und dunklen Winter aus. »Wir stehen vor dem härtesten Winter in unserer Geschichte«, sagte der ukrainische Energieminister Herman Haluschtschenko bei einer Videokonferenz.
Dieser Winter werde noch viel schwerer als der vorangegangene, weil sich die Schäden durch die andauernden russischen Angriffe summiert hätten, so Haluschtschenko. Die russische Armee verwende verschiedene Waffen in kombinierten Attacken, um möglichst große Zerstörungen anzurichten, sagte er.
In einem warmen Winter liege der Stromverbrauch bei etwa 18 Gigawatt, in einem kalten seien es 19 Gigawatt. Zudem müssten noch Reserven von einem Gigawatt geschaffen werden, sagte Haluschtschenko der Nachrichtenagentur dpa. Die russischen Angriffe haben rund neun Gigawatt an Kapazitäten zerstört.
Derzeit arbeitet die Ukraine offiziellen Angaben nach an Verträgen zum Import von Strom. Zudem will die Führung in Kiew die Flugabwehr der noch bestehenden Kraftwerke stärken, denn sie rechnet mit weiteren russischen Angriffen, um das Netz völlig zu ruinieren.
Allerdings müssen sich die Ukrainer im Winter wohl auf weitere Stromabschaltungen gefasst machen, wie sie jetzt schon täglich für mehrere Stunden gelten. Auch die Wärmeversorgung ist nicht gesichert.
Neben den Problemen mit der Energieversorgung in der Ukraine wachsen auch die Sorgen um die Sicherheit der Kernkraftwerke in der Kriegsregion. Aktuell im Fokus: das russische AKW Kursk. Es liegt etwa 40 Kilometer von der Stadt Kursk entfernt in Richtung der Grenze, wo ukrainische Truppen zuletzt erhebliche Gebietsgewinne gemacht hatten. Die ukrainischen Einheiten sind aktuell etwa 30 Kilometer vom AKW entfernt.
Atombehördenchef will sich vor Ort umsehen
Rafael Grossi, Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), will kommende Woche das Atomkraftwerk Kursk besuchen. Wann genau der Besuch stattfindet, war zunächst nicht bekannt. Grossi will vor Ort abklären, ob die Anlage bereits ins Ziel genommen wurde.
Die russische Atomenergiebehörde Rosatom hatte vor Gefahren durch Angriffe auf das AKW gewarnt. Auch Grossi mahnte »alle Parteien zu maximaler Zurückhaltung«. Er sei »sehr besorgt«, wenn in der Nähe Kämpfe stattfänden, sagte er der »Financial Times« . Ihm zufolge wäre es grundsätzlich möglich, dass Artillerie das Kraftwerk erreicht.
Anfang August hatte die ukrainische Armee überraschend eine groß angelegte Offensive in der Region Kursk gestartet. Mittlerweile kontrolliert sie ein Gebiet von rund 1250 Quadratkilometern. Es ist das erste Mal seit Beginn des russischen Angriffskriegs, dass reguläre ukrainische Truppen über die Grenze vorgedrungen sind.