Acht Milliarden – Russlands Krieg Das Asow-Regiment – Neonazis oder Elitekämpfer?

Die Ukraine verteidigt das Stahlwerk in Mariupol. Unter den Kämpfern, die dort ausharren: das Asow-Regiment. Seine Mitglieder sind als Helden berühmt, im Ausland ist es häufig als Hort Rechtsextremer berüchtigt.

Wolfsangel, SS-Sonnensymbol und ein eindeutig rechtsextremer Gründer – wer sich mit solchen Insignien schmückt, hat es schwer, nicht als Neonazi angesehen zu werden.
Aber der Fall des ukrainischen Asow-Regiments ist komplizierter, insbesondere, wenn man die Entwicklung der Truppe seit ihrer Gründung betrachtet. Inzwischen werden die Männer und Frauen des Regiments in der Ukraine als Heldinnen und Helden angesehen. Und von der russischen Propaganda als Beweis für die haltlose Behauptung herangezogen, die Ukraine werde von Nazis regiert.

Nach der russischen Annexion der Krim Anfang 2014 und den daraufhin aufflammenden Kämpfen im Donbass-Gebiet gründeten sich einige Dutzend Freiwilligen-Bataillone diversester Couleur. »Da waren alle möglichen wilden Gesellen darunter«, erzählt Ann-Dorit Boy in dieser Podcast-Folge, »da gab es Bataillone, die mehr durch Menschenrechtsverletzungen und Alkoholexzesse und fehlende Disziplin auf sich aufmerksam gemacht haben als alles andere.«

Das Asow-Regiment entstammt tatsächlich einer ukrainischen Neonazi-Gruppierung namens »Patriot der Ukraine«. Einer seiner Gründer: der bekannte Rechtsextremist Andrij Bilezkyj. In den ersten Jahren, in denen die Truppe existierte, wurde sie diverser Menschenrechtsverletzungen beschuldigt. Neben dem Tragen der oben erwähnten nationalsozialistischen Symbole und Äußerungen neonazistischer Ansichten, was Ende Juni 2015 dazu führte, dass der US-Kongress jegliche Hilfen für das Regiment unterband.

Inzwischen hat sich das Regiment von seinem rechtsradikalen Gründer und seiner ideologischen Asow-Bewegung getrennt, daher bewerten viele Beobachter das Asow-Regiment nun anders und sprechen von einer Eliteeinheit, die sich von ihrer ideologischen Vergangenheit gelöst habe.

»Es gibt zum Beispiel den Rechtsextremismusexperten Anton Shekhovtsov«, erzählt Ann-Dorit Boy, »und der ist nicht der einzige, aber der vielleicht renommierteste und sichtbarste Vertreter der These, dass man jetzt streng trennen muss: zwischen dieser Asow-Bewegung von Andrij Bilezkyj. In jüngerer Vergangenheit hat sich auch das Regiment selbst, also dessen Pressestelle, die dann für die Kommandanten spricht, von Bilezkyj distanziert und gesagt: Wir wollen nicht, dass man uns als Einheit wahrnimmt.«

Reicht das, um den validen Vorwurf eines rechtsradikal orientierten Regiments zu entkräften? Gibt es gute Gründe, warum sich das Asow-Regiment gewandelt haben sollte? Und wie erfolgreich sind rechte Politiker in der Ukraine? Darüber spricht Ann-Dorit Boy mit Olaf Heuser in dieser Folge von »Acht Milliarden«.

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