»Washington koordiniert Operationen« Duma-Sprecher Wolodin wirft USA direkte Beteiligung an Kriegshandlungen vor

Der Sprecher des russischen Unterhauses beschuldigt Washington, Militäroperationen in der Ukraine zu entwickeln. CIA-Veteranen warnen ihre Nachfolger: Zu viel öffentliche Angeberei über ihre Rolle sei unklug.
Duma-Sprecher Wolodin: Anschuldigung via Telegram

Duma-Sprecher Wolodin: Anschuldigung via Telegram

Foto: Alexei Danichev / ITAR-TASS / IMAGO

Wjatscheslaw Wolodin, einer der ranghöchsten Politiker Russlands, hat die US-Regierung am Samstag beschuldigt, Militäroperationen in der Ukraine zu koordinieren. Seiner Meinung nach komme das einer direkten Beteiligung der USA an Militäraktionen gegen Russland gleich.

»Washington koordiniert und entwickelt im wesentlichen militärische Operationen und beteiligt sich damit direkt an Militäraktionen gegen unser Land«, schrieb Wolodin laut Nachrichtenagentur Reuters auf seinem Telegram-Kanal.

Der Sprecher des Unterhauses im russischen Parlament, der sogenannten Duma, ist ein prominenter Befürworter dessen, was Russlands Staatschef Wladimir Putin als »Sondereinsatz« bezeichnet: seinen Krieg gegen die Ukraine.

Die USA und die europäischen Mitglieder des transatlantischen Nato-Bündnisses haben die Ukraine in den vergangenen Wochen mit schweren Waffen beliefert, um sich gegen den russischen Angriffskrieg zu wehren. Alle Verbündeten haben jedoch wiederholt erklärt, dass sie sich nicht selbst an den Kämpfen beteiligen werden, um zu vermeiden, dass sie in den Konflikt verwickelt werden.

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US-Beamte hatten erklärt, dass die Vereinigten Staaten der Ukraine nachrichtendienstliche Informationen zur Verfügung gestellt hätten, um den russischen Angriff abzuwehren, bestritten indes, dass diese nachrichtendienstlichen Informationen genaue Zielangaben enthalten.

Nach Ansicht ehemaliger US-Geheimdienstmitarbeiter hätten diese Beamten besser den Mund gehalten, statt sich mit ihrer vermeintlichen Rolle bei den jüngsten militärischen Erfolgen der Ukraine zu brüsten, wie der »Guardian« am Samstag berichtet .

In der vergangenen Woche berichtete die US-Presse über anonyme Beamte, die behaupteten, der US-Geheimdienst sei maßgeblich an der Ermordung russischer Generäle und an der Versenkung des Kriegsschiffs »Moskwa« im Schwarzen Meer beteiligt gewesen. Der Bericht in der »New York Times«  über die Generäle wurde vom Weißen Haus zumindest teilweise dementiert. Trotzdem ist erkennbar, wie Duma-Hardliner Wolodin auf seine Anschuldigungen gekommen sein könnte.

Paul Pillar, ein ehemaliger hoher CIA-Beamter, sagte dem »Guardian«: »Meine persönliche Meinung ist, dass es unklug ist.« Er sei überrascht über das Ausmaß der offiziellen Bestätigung der Rolle des US-Geheimdienstes bei der Versenkung der »Moskwa« und noch mehr bei der mutmaßlichen Tötung der Generäle. »Die große Sorge ist, dass diese Art der öffentlichen Bestätigung einer so umfassenden Rolle der USA bei den Rückschlägen, die den Russen zugefügt wurden, Putin zu einer Eskalation provozieren könnte, die er andernfalls vielleicht nicht für notwendig erachtet hätte.«

John Sipher, laut »Guardian« 28 Jahre lang im Geheimdienst der CIA tätig gewesen, unter anderem in Moskau, hält die Offenlegung der gemeinsamen Nutzung von US-Geheimdienstinformationen ebenfalls für unangebracht, allerdings findet er es vor allem respektlos gegenüber den ukrainischen Diensten und Streitkräften: »Es nimmt den Menschen, die tatsächlich vor Ort sind, die die Informationen nutzen, die ihre eigenen Informationen sammeln und Tag und Nacht kämpfen, etwas weg.«

Dass die Angeberei der US-Geheimdienstler das Risiko einer Eskalation zwischen Russland und der Nato wesentlich erhöhe, glaubt Sipher nicht; die Verärgerung des Kremlchefs werde sich vermutlich in Grenzen halten: »Putin weiß, wie das Spiel gespielt wird. Er besorgt sich Geheimdienstinformationen, um zu versuchen, Amerikaner zu töten, wenn sich die Situation umkehrt, wie er es in Afghanistan und an anderen Orten getan hat. Die Russen haben Jahre damit verbracht, uns mit Cyberkriegsführung und Desinformation anzugreifen«, sagte Sipher.

bor/Reuters