»Ich spreche gerade von der Sporthalle aus« Macron veröffentlicht Protokoll von Putin-Telefonat kurz vor Kriegsbeginn

Vier Tage vor der russischen Invasion hatte der französische Präsident Macron am Telefon versucht, Kremlchef Putin zu besänftigen. Eine Doku zeigt nun das Gespräch – und den Moment, als Putin Besseres zu tun hat.
Der französische Präsident Emmanuel Macron

Der französische Präsident Emmanuel Macron

Foto: Lukas Barth / REUTERS

Vor vier Monaten begann Russland eine völkerrechtswidrige Invasion in die Ukraine. Der Angriff schockierte die Welt, doch er lag in den Tagen zuvor bereits in der Luft. Nun hat der Élysée-Palast das Protokoll eines Telefonats zwischen dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin veröffentlicht. Das Telefonat fand vier Tage vor dem russischen Angriff statt – und zeigt, wie schon damals eine Befriedung aussichtslos erschien.

»Vielen Dank, Emmanuel«, sagte Putin laut dem Protokoll, »es ist immer eine große Freude, mich mit dir auszutauschen, denn wir haben ein Vertrauensverhältnis«. Dann lobt der Kremlchef die Bemühungen Macrons und des Bundeskanzlers Olaf Scholz, das Minsker Abkommen umzusetzen – und beginnt, seine Sicht auf den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu verbreiten. »Unser lieber Kollege Selenskyj macht nichts. Er lügt.«

Das Telefonat war damals im Rahmen einer Dokumentation  über Macron und den Ukrainekrieg gefilmt worden. Das vollständige Video wird am 30. Juni vom französischen Fernsehsender France 2 veröffentlicht. »Das war eines der schwierigsten Themen, zu denen ich in meinem Leben jemals gearbeitet habe«, sagte der Dokumentarfilmer Guy Lagache gegenüber dem französischen Magazin »20 minutes« .

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In dem Gespräch verweist Putin auf angebliche Forderungen nach Atombomben vonseiten Selenskyjs sowie auf Revisionsforderungen bezüglich des Minsker Abkommens durch Macron. Dieser weist beide Behauptungen erzürnt zurück. Putin ignoriert die Widerrede und lobt nun die prorussischen Separatisten in der Ostukraine.

Macron wird nun ungehalten: »Ich weiß nicht, wo dein Jurist studiert hat! (…) Ich weiß nicht, welcher Jurist sich zu der Behauptung versteigt, dass Gesetzestexte in einem souveränen Land von Separatisten ausgearbeitet werden.« Dann bemüht er sich laut Protokoll wieder um Deeskalation: »Wenn wir dem Dialog eine Chance geben wollen, dann müssen wir das Spiel beruhigen.«

»Ich möchte jetzt Eishockey spielen«

Zum Zeitpunkt des Telefonats hielten Russland und Belarus bereits gemeinsame Militärübungen an der Grenze zur Ukraine ab. Kurze Zeit später erfolgte der Einmarsch. Auf die Übungen angesprochen, wiegelte Putin ab. Die seien »wahrscheinlich« am Abend wieder vorbei.

»Ich möchte jetzt Eishockey spielen«, erklärt Putin kurz darauf, »um ehrlich zu sein, spreche ich gerade schon von der Sporthalle aus mit dir«.

Macron äußerte sich nach dem Telefonat gegenüber Dokumentarfilmer Lagache: »Wir konnten ihn nicht überzeugen und er marschierte in die Ukraine ein.« Er hatte gehofft, über eine intellektuelle Diskussion noch einen Zugang zu Putin zu finden.

mrc
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