Dringend benötigte Lieferungen Ukrainischer Getreidefrachter könnte Montag ablegen

Wegen des Krieges konnte die Ukraine über Monate kein Getreide exportieren. Ein Abkommen zwischen Kiew und Moskau soll helfen – laut der Türkei könnte es nun bald losgehen.
Getreidesilos im Hafen von Odessa: »Nur noch ein, zwei Details zu lösen«

Getreidesilos im Hafen von Odessa: »Nur noch ein, zwei Details zu lösen«

Foto: Nacho Doce / REUTERS

Die Ukraine steht offenbar kurz davor, erstmals seit Monaten wieder Getreide zu exportieren. Die Türkei rechnet schon am Montag mit Transporten aus der Ukraine über das Schwarze Meer. Die Wahrscheinlichkeit sei sehr hoch, dass ein mit Getreide beladenes Schiff am Montagmorgen einen ukrainischen Hafen verlasse, sagte der Sprecher des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan dem Sender Kanal 7. Es gebe nur noch ein, zwei Details zu lösen.

Seit Tagen wird darüber spekuliert, wann ein erstes Schiff ablegen könnte. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte bereits am Freitag gesagt, man sei bereit und warte auf ein Zeichen der internationalen Partner. Am 22. Juli hatten die Kriegsgegner Ukraine und Russland mit den Vereinten Nationen (Uno) und der Türkei ein Abkommen unterzeichnet, um von drei Häfen Getreideausfuhren aus der Ukraine zu ermöglichen.

Uno fürchtet Hungerkrisen

Von der Vorjahresernte warten ukrainischen Angaben zufolge noch mehr als 20 Millionen Tonnen Getreide auf die Ausfuhr. Der Hafenbetrieb war nach der russischen Invasion Ende Februar aus Sicherheitsgründen eingestellt worden. Moskau wurde eine Blockade des Getreides vorgeworfen. Wegen ausbleibender Getreidelieferungen befürchten die Uno zunehmend Hungerkrisen auf der Welt.

Am Mittwoch war in Istanbul ein Zentrum zur Kontrolle der Getreideexporte eröffnet worden. Schiffe werden bei der Durchfahrt durch die Meerenge Bosporus, also bei Ein- und Ausfahrt ins Schwarze Meer, inspiziert, um sicherzustellen, dass sie keine Waffen oder Ähnliches geladen haben. Das Zentrum ist besetzt mit Vertretern aus der Ukraine, Russland, der Uno und der Türkei.

Putin unterzeichnet neue Marinedoktrin

Während die Vorbereitungen für die Lebensmittellieferungen laufen, hat Russlands Präsident Wladimir Putin zum Tag der Seestreitkräfte eine neue Marinedoktrin in Kraft gesetzt. Dort seien auch Russlands Seegrenzen, darunter in der Arktis und im Schwarzen Meer festgelegt worden. »Den Schutz werden wir hart und mit allen Mitteln gewährleisten«, sagte der Kremlchef bei einer Parade mit Kriegsschiffen am Sonntag in St. Petersburg. Zugleich kündigte er an, dass die neue Hyperschall-Seerakete »Zirkon« bald in den Dienst gestellt werde. Die Lieferung der Raketen beginne in den nächsten Monaten, als erste werde die Fregatte »Admiral Gorschkow« damit ausgerüstet.

In der neuen Doktrin wurde festgeschrieben, dass das Streben der USA nach Dominanz auf den Weltmeeren eine »Herausforderung für die nationale Sicherheit Russlands« sei. Das von Putin feierlich unterzeichnete Dokument sieht auch vor, dass die militärische Infrastruktur auf der annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim ausgebaut werde. Laut der Doktrin ist zudem der Bau von modernen Flugzeugträgern vorgesehen.

sep/dpa/Reuters
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