Russische Invasion Nato aktiviert Verteidigungspläne für Osteuropa

Russland hat die Ukraine angegriffen, Kiew meldet erste getötete Soldaten und Zivilisten. Nun reagiert die Nato: Der Oberbefehlshaber der Bündnis-Streitkräfte soll weitreichende Befugnisse bekommen.
Kiew nach einem russischen Raketenangriff

Kiew nach einem russischen Raketenangriff

Foto: Chris McGrath / Getty Images

Als Reaktion auf die russische Invasion in der Ukraine aktiviert die Nato ihre Verteidigungspläne für Osteuropa. Der Oberbefehlshaber der Nato-Streitkräfte in Europa, der US-General Tod D. Wolters, bekommt damit weitreichende Befugnisse, um zum Beispiel Truppen anzufordern und zu verlegen. Das berichten die Nachrichtenagenturen dpa und Reuters unter Berufung auf Nato-Kreise.

Einer Mobilmachung kommt der Schritt jedoch noch nicht gleich. Dazu bedarf es mehrerer Aktivierungsstufen. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte, es gibt keine Pläne, Nato-Truppen in die Ukraine zu entsenden.

Den russischen Einmarsch bezeichnete er als »brutalen kriegerischen Akt«. »Dies ist eine vorsätzliche, kaltblütige und von langer Hand geplante Invasion«, sagte der Norweger in Brüssel. »Wir haben jetzt einen Krieg in Europa in einem Ausmaß und einer Art, von der wir dachten, sie gehöre der Vergangenheit an.«

Die Staats- und Regierungschefs der Nato-Staaten werden bereits am Freitag zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Das teilte die britische Nato-Vertretung in Brüssel mit. Die Beratungen sollen per Videokonferenz erfolgen.

Die Nato will dann weitere Schritte ergreifen, um das Abschreckungspotenzial und die Verteidigungsfähigkeit des Militärbündnisses zu stärken.

Bereitschaftszeiten stark verkürzt

Der Nato-Oberbefehlshaber in Europa Wolters hatte angesichts der Spannungen mit Russland bereits in der vergangenen Woche die Bereitschaftszeiten für mehrere Zehntausend Bündnissoldaten drastisch verkürzt. Kräfte der schnellen Eingreiftruppe NRF sollen jetzt innerhalb von nur 7 statt innerhalb von 30 Tagen verlegt werden können. Für weitere Truppenteile gilt eine sogenannte »Notice to Move«-Frist von 30 statt 45 Tagen.

DER SPIEGEL

Bereits vor einigen Woche hatte der Oberbefehlshaber die »Notice to Move«-Frist für die schnellste Eingreiftruppe VJTF (Very High Readiness Joint Task Force) erhöht. Dies bedeutet, dass die zugehörigen Soldaten derzeit innerhalb von höchstens fünf Tagen bereit für eine Verlegung in ein Krisengebiet sein müssen. Die VJTF wäre die erste Truppe, die an die Ostflanke verlegt werden würde.

mrc/dpa/Reuters
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