Ukrainekrieg Russische Soldaten zerstörten gezielt Brücken für Hilfstransporte

Die Versorgungslage in der Ukraine verschlimmert sich. Laut dem britischen Geheimdienst wurde im Land gezielt Infrastruktur zerstört – was nun die Lieferung von Hilfsgütern erschwert.
Zerstörte Brücke nahe Kiew

Zerstörte Brücke nahe Kiew

Foto: Oleg Petrasyuk / EPA

In der Ukraine wird die Lieferung von Hilfsgütern nach Einschätzung britischer Geheimdienste durch Zerstörung von Straßen, Brücken und anderer Infrastruktur erschwert. Insbesondere in Gebieten, die zeitweise unter russischer Kontrolle waren, stelle dies eine große Herausforderung dar, hieß es am Samstag in einer Mitteilung des Verteidigungsministeriums in London.

Russische Truppen hätten bei ihrem Rückzug aus dem Norden des Landes gezielt Brücken gesprengt, Fahrzeuge auf wichtigen Routen zurückgelassen und Landminen verstreut. In der Stadt Tschernihiw zum Beispiel gebe es nur noch eine einzige Fußgängerbrücke über den Fluss. Alle anderen seien zerstört worden.

In der ukrainischen Hauptstadt Kiew verschärfen sich derweil die russische Bombardements. Am Samstag wurde eine Rüstungsfabrik bombardiert. Über dem Gelände, das von zahlreichen Polizisten und Soldaten abgeriegelt wurde, stieg laut dem Bericht eines AFP-Korrespondenten Rauch auf. In der Fabrik wurden insbesondere Panzer hergestellt. Das russische Verteidigungsministerium teilte auf Telegram mit, bei dem Beschuss seien »hochpräzise Langstreckenwaffen« eingesetzt worden.

Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko berichtete in Onlinenetzwerken von mehreren Explosionen im Stadtteil Darnyrskyj. Über mögliche Opfer lägen noch keine Informationen vor. Der ukrainische Gouverneur Olexander Pawljuk meldete derweil drei Luftangriffe in der Region um die Hauptstadt, hinzu kamen Bombardements im Osten des Landes.

Nach Darstellung des russischen Verteidigungsministeriums wurden außerdem in der südukrainischen Stadt Mykolajiw ein Werk für die Reparatur von Panzertechnik sowie zwei Lager mit Raketen und Artillerie vernichtet. 16 Militärobjekte seien getroffen worden, darunter auch Anlagen im Gebiet um die Hafenstadt Odessa am Schwarzen Meer und um die zentralukrainische Stadt Poltawa.

Schon am Freitag hatten russische Truppen einen Rüstungskomplex nahe Kiew angegriffen, in dem laut der Website des staatlichen Rüstungskonzerns Ukroboronprom sogenannte Neptun-Raketen hergestellt wurden. Der Raketenkreuzer »Moskwa«, das Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte, war laut einem Sprecher der ukrainischen Armee am Donnerstag von Raketen dieses Typs getroffen worden und kurz darauf gesunken. Moskau bestätigte die Angaben nicht, sondern hält an seiner Darstellung fest, es habe eine Explosion an Bord gegeben, beim Abschleppen sei das Kriegsschiff dann gesunken.

Die russischen Angriffe auf die Region Kiew hatten seit Ende März eigentlich abgenommen. Moskau kündigte damals an, seine Offensive auf den Osten der Ukraine konzentrierten zu wollen. Am Freitag drohte der Kreml jedoch, seine Angriffe auf die ukrainische Hauptstadt wieder zu verstärken. Die Regierung in Kiew vermutet dahinter einen Vergeltungsversuch für die Zerstörung der »Moskwa«.

ssu/AFP/dpa
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