»Deutliche Botschaft an den Kreml« Johnson will Zahl der britischen Soldaten in Osteuropa verdoppeln

Großbritannien setzt im Ukraine-Konflikt mit Russland weiter auf Abschreckung: Premier Boris Johnson hat angekündigt, die Militärpräsenz in der Region deutlich auszuweiten – verbunden mit einer Warnung an den russischen Präsidenten.
Premierminister Boris Johnson (auf dem Luftwaffenstützpunkt in Anglesey am 27. Januar)

Premierminister Boris Johnson (auf dem Luftwaffenstützpunkt in Anglesey am 27. Januar)

Foto: CARL RECINE / REUTERS

Die Lage in der Ukraine ist weiterhin angespannt. Großbritannien beabsichtigt nun sein militärisches Engagement in Osteuropa auszuweiten. Premierminister Boris Johnson erwägt, die Zahl britischer Soldaten in der Region zu verdoppeln und Estland Waffen zur Selbstverteidigung zu liefern. Das teilte die britische Regierung mit. Derzeit sind nach offiziellen Angaben mehr als 900 britische Soldaten in Estland stationiert, mehr als 100 in der Ukraine und 150 in Polen.

»Dieses Maßnahmenpaket würde dem Kreml eine deutliche Botschaft schicken: Wir werden ihre destabilisierenden Aktivitäten nicht dulden und stehen stets fest an der Seite unserer Nato-Verbündeten angesichts russischer Feindseligkeiten«, sagte Johnson. »Falls Präsident Putin den Weg des Blutbads und der Zerstörung wählt, bedeutet dies eine Tragödie für Europa.« Die Ukraine müsse frei in der Wahl ihrer Zukunft sein, sagte Johnson. Daher habe er dem Militär befohlen, sich darauf vorzubereiten, die Nato-Verbündeten in Europa zu Land, zu Wasser und in der Luft zu unterstützen.

Britische Regierung diskutiert weitere Sanktionen und militärische Optionen

Am Vorabend war bekannt geworden, dass Johnson bald mit Putin telefonieren will und eine Reise in die Region plant. Das genaue Ziel wurde bisher nicht genannt. Die britische Regierung will am Montag militärische Optionen diskutieren, hieß es nun. Am Dienstag werde Generalstabschef Tony Radakin das Kabinett über die Lage informieren.

In Brüssel sollen zudem die Details des britischen Angebots mit der Nato besprochen werden. Johnson wolle sich zudem Anfang Februar mit den Staats- und Regierungschefs der Nato-Mitglieder treffen, hieß es aus Regierungskreisen. Außenministerin Liz Truss und Verteidigungsminister Ben Wallace sollen bald für Gespräche nach Moskau reisen. Am Montag will das Außenministerium in London zudem neue Sanktionen bekannt geben, die Russlands »strategische und finanzielle Interessen« treffen sollen.

Am Freitag hatte bereits der US-amerikanische Präsident Joe Biden angekündigt, in Anbetracht der drohenden russischen Invasion zusätzliche Truppen in die osteuropäischen Nato-Staaten senden zu wollen. Zuvor hatte er 8500 Soldaten in erhöhte Bereitschaft versetzt, um sie bei Bedarf schnell verlegen zu können.

tfb/dpa