Aggression durch Russland Estnische Regierungschefin drängt Deutschland zu mehr Hilfe für Ukraine

Estland will Waffen an die Ukraine liefern, braucht aber die Zustimmung Deutschlands. Premierministerin Kaja Kallas appelliert deshalb nun an die Bundesregierung, sich aktiver bei der Verteidigung des Landes zu beteiligen.
Estlands Premierministerin Kaja Kallas

Estlands Premierministerin Kaja Kallas

Foto: Kenzo Tribouillard / dpa

Die estnische Premierministerin Kaja Kallas hat Deutschland aufgefordert, der Ukraine in der derzeitigen angespannten Lage zu helfen. »Wir ermutigen unsere deutschen Partner, auf die Ukrainer zu hören. Die Ukraine hat um Hilfe gebeten. Das Land benötigt Hilfe bei seiner Selbstverteidigung gegen den Aggressor«, sagte Kallas der »Bild«.

Estland will neun Haubitzen aus DDR-Altbeständen an die Ukraine geben – das Nato-Mitglied hat sich aber verpflichtet, vor einer Weitergabe an Dritte die Zustimmung Deutschlands einzuholen.

Kallas erteilte Forderungen aus Moskau ein Absage, bei der Ausgestaltung der Sicherheitsarchitektur mittel- und osteuropäischer Länder mitreden zu wollen. »Wir können nicht zulassen, dass Russland seinen politischen und militärischen Einfluss über seine Nachbarn wiederherstellt«, sagte sie der »Bild«. »Russland hat kein Mitspracherecht, was die Beschlüsse der Nato betrifft, und wir werden auf Russlands Ultimaten nicht eingehen.«

Im Westen sorgen Berichte über einen massiven russischen Truppenaufmarsch in der Nähe der Ukraine seit Wochen für Kritik. Befürchtet wird, dass Moskau einen Angriff auf das Nachbarland planen könnte. Der Kreml dementiert das. Für möglich wird auch gehalten, dass nur Ängste geschürt werden sollen, um die Nato-Staaten zu Zugeständnissen bezüglich neuer Sicherheitsgarantien zu bewegen.

Kallas nannte die Gefahr eines Krieges »real«. »Wir müssen auf die entsprechenden Schritte vorbereitet sein, falls Russland die Diplomatie aufgibt«, sagte die Regierungschefin. In diesem Fall müssten Sanktionen gegen Moskau »robust, hart und präzise« sein.

cop/dpa