Umfrage in Russland 81 Prozent der Russen befürworten den Angriffskrieg auf die Ukraine

Im Westen wird die Invasion in der Ukraine oft als »Putins Krieg« bezeichnet – dabei steht in Russland eine Mehrheit hinter dem Kreml. Eine unabhängige Umfrage im Land schlüsselt nun auf, wo die wenigen Kriegsgegner zu finden sind.
Ein Ladenbesitzer in Moskau bietet Bilder von Kremlchef Wladimir Putin und dem zum Kampfsymbol stilisierten Buchstaben »Z« an

Ein Ladenbesitzer in Moskau bietet Bilder von Kremlchef Wladimir Putin und dem zum Kampfsymbol stilisierten Buchstaben »Z« an

Foto: MAXIM SHIPENKOV / EPA

Eine große Mehrheit der Russinnen und Russen unterstützt die Aktionen der russischen Streitkräfte in der Ukraine. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Lewada-Zentrums , des einzigen unabhängigen Meinungsforschungsinstituts in Russland. Demnach sprachen sich 81 Prozent der Befragten »definitiv« oder »eher« dafür aus, das Vorgehen der russischen Streitkräfte in der Ukraine zu unterstützen. Nur 14 Prozent lehnten eine Unterstützung ab, die übrigen sechs Prozent blieben unentschlossen.

Die Unterstützung ist bei der älteren Generation und der Landbevölkerung am größten. Etwas weniger hoch fällt die Zustimmung für die Invasion in Moskau und anderen Großstädten aus. 51 Prozent der Befragten gaben zudem »Stolz« als dominierendes Gefühl in Bezug auf die Invasion an, nur zwölf Prozent sprachen von einem »Schock«.

Am deutlichsten stellten sich die jungen Russinnen und Russen gegen den Angriffskrieg von Kremlchef Wladimir Putin – wenngleich auch hier die Ablehnenden in der Minderheit bleiben. 20 Prozent der Befragten zwischen 18 und 24 Jahren lehnen den Krieg ab, 71 Prozent stimmen ihm zu. In der höchsten Altersgruppe ab 55 Jahren befürworten insgesamt 86 Prozent den Krieg, sagen die Meinungsforscher von Lewada.

Großer Glaube an Kreml-Lesart

Im Blick auf die Kriegsgründe folgen die meisten Befragten der Lesart des Kremls: So glauben 42 Prozent der Befragten, Russland habe seine »Sonderoperation« gestartet, um die »russischsprachige Bevölkerung« und »Zivilisten« in der Ostukraine zu schützen, 25 Prozent glauben, so solle ein »Angriff auf Russland verhindert werden«.

In Russland ist unter Strafe verboten, mit Blick auf die Ukraine von »Krieg« oder »Invasion« zu sprechen. Der Kreml bezeichnet den völkerrechtswidrigen Angriff als »militärische Operation«. Putin hatte vor seinem Befehl zum Angriff behauptet, die Ukraine gehöre historisch zu Russland. Auch wolle er russischsprachige Menschen in der Ukraine vor der angeblich »faschistischen« Regierung in Kiew beschützen. Beweise für einen behaupteten Genozid an Russen in der Ukraine legte Putin nicht vor.

Die wenigen Befragten, die sich in Russland gegen den Krieg stellen, gaben als Begründung mehrheitlich an, durch den Konflikt würden Zivilisten leiden und Menschen sterben. Ein Fünftel der Befragten nannte als Grund auch, die russischen Streitkräfte dürften sich nicht »in ein anderes Land einmischen«.

Meinungsforscher des Lewada-Zentrums hatten in der Vergangenheit bereits betont, wie schwierig es ist, Umfragen zur Ukraine durchzuführen. Schon vor Kriegsbeginn am 24. Februar hätten Menschen es abgelehnt zu sprechen, weil sie Angst hatten oder des Themas einer möglichen militärischen Konfrontation müde seien. Jetzt ist angesichts der verschärften Gesetze davon auszugehen, dass insbesondere diejenigen Russinnen und Russen, die gegen den Krieg sind, nicht mehr bereit sind, selbst an anonymen Umfragen teilzunehmen.

mrc/heb