Ukrainekrieg Baerbock warnt vor beispielloser globaler Hungerkrise

»Russland führt seinen brutalen Krieg nicht nur mit Panzern, Raketen und Bomben«: Außenministerin Annalena Baerbock hat Moskau vorgeworfen, die Blockade von Getreideexporten aus der Ukraine als Waffe einzusetzen.
Bundesaußenministerin Baerbock bei einem Außenministertreffen der Vereinten Nationen

Bundesaußenministerin Baerbock bei einem Außenministertreffen der Vereinten Nationen

Foto: TIMOTHY A. CLARY / AFP

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock hat Russland vorgeworfen, mit blockierten Getreideexporten aus der Ukraine eine drohende Hungerkrise zu auszulösen und Hunger als Waffe einzusetzen. »Durch die Blockade ukrainischer Häfen, durch die Zerstörung von Silos, Straßen und Eisenbahnen und insbesondere der Felder von Bauern hat Russland einen Kornkrieg begonnen, der eine globale Nahrungsmittelkrise anfacht«, sagte Baerbock während eines Außenministertreffens bei den Vereinten Nationen in New York.

»Damit droht sich eine weltweite Ernährungskrise zusammenzubrauen, die es bisher noch nie gegeben hat«, sagte Baerbock. 47 Millionen Menschen weltweit drohe großer Hunger.

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Nach Angaben der Bundesregierung unterbindet Russland in der Ukraine die Ausfuhr von 20 Millionen Tonnen Getreide vor allem nach Nordafrika und Asien, ein Großteil davon im Hafen von Odessa. Die Ukraine ist einer der größten Produzenten der Welt.

»Russland führt seinen brutalen Krieg nicht nur mit Panzern, Raketen und Bomben«, sagte die Grünenpolitikerin weiter. »Russland führt diesen Krieg mit einer anderen schrecklichen, aber leiseren Waffe: Hunger und Entbehrung.« Dies passiere in einer Zeit, in der im Nahen Osten und in Afrika bereits Millionen von Hunger bedroht seien – durch die Klimakrise, die Coronapandemie und regionale Konflikte.

Uno-Generalsekretär fordert Russland auf, Getreideexport aus Ukraine zuzulassen

Auch Uno-Generalsekretär António Guterres erhöhte angesichts historischer Zahlen Hungerleidender den Druck auf Moskau: »Russland muss den sicheren Export von in ukrainischen Häfen gelagertem Getreide zulassen«, sagte der 73-Jährige. Es sei notwendig, das Land wieder an den Weltmarkt zu bringen – genauso wie Russland und Belarus, die auch große Mengen Lebens- und Düngemittel produzierten. Der von Russland begonnene Krieg drohe viele Millionen in eine Ernährungsunsicherheit zu stürzen und eine Krise auszulösen, »die Jahre andauern könnte«.

US-Außenminister Antony Blinken forderte weltweite gemeinsame Anstrengungen. »Es ist eine Krise, die eine globale Antwort erfordert«, sagte Blinken. Ein großes Problem sei der Mangel an Düngemitteln – es müssten Anreize für ihre Produktion geschaffen werden. »Nehmen wir Afrika, wo sich die Kosten für Düngemittel seit Beginn der Pandemie bereits vervierfacht haben und seit der russischen Invasion in die Ukraine weiter in die Höhe geschnellt sind«, sagte er. Nach der russischen Invasion in der Ukraine waren die Preise für Weizen auf den höchsten Stand seit 14 Jahren gestiegen.

Den Vereinten Nationen zufolge hat der weltweite Hunger einen neuen Höchststand erreicht. Die Zahl der Menschen mit starker Ernährungsunsicherheit habe sich in den vergangenen zwei Jahren von 135 auf heute 276 Millionen erhöht. Mehr als eine halbe Million Menschen seien vom Hungertod bedroht – fünfmal mehr als noch 2016. Der Krieg in der Ukraine facht diese Entwicklung weiter an: Zusammen produzieren die Ukraine und Russland fast ein Drittel des Weizens und der Gerste der Welt und die Hälfte des Sonnenblumenöls.

kim/dpa/AFP
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