Nach fast sechs Monaten Krieg Ukrainischer Armeechef spricht von fast 9000 getöteten Soldaten

Bislang hielten sich die ukrainischen Streitkräfte mit Angaben über die eigenen Verluste zurück. Nun nennt der Oberkommandierende Walerij Saluschnyj eine konkrete Zahl – und appelliert, besonders Kinder zu schützen.
Ukrainischer Topmilitär Walerij Saluschnyj: »Fast 9000 getötete Helden«

Ukrainischer Topmilitär Walerij Saluschnyj: »Fast 9000 getötete Helden«

Foto: Ukrainian Presidency / REUTERS

Seit Russland am 24. Februar die Ukraine mit einem Angriffskrieg überzog, sind Tausende Menschen ums Leben gekommen. Wie hoch die Truppenverluste auf beiden Seiten genau sind, ist bislang jedoch unklar. Beide Armeen halten sich mit Angaben zurück.

Für die Ukraine gibt es nun allerdings eine konkrete Aussage des Armeechefs Walerij Saluschny. Der Oberkommandierende sagte laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine bei einem Forum zu Ehren gefallener Soldaten und Veteranen in Kiew, bislang seien auf ukrainischer Seite fast 9000 Militärangehörige in dem Konflikt ums Leben gekommen.

Saluschny appellierte in dem Zusammenhang offenbar, insbesondere Kinder in dem Krieg zu schützen. »Sie verstehen nicht wirklich etwas von dem, was passiert und brauchen unbedingt Schutz (…), weil ihr Vater an die Front gegangen ist und wahrscheinlich zu den fast 9000 getöteten Helden gehört«, sagte Saluschny. Wie belastbar die Angaben zu den Gefallenen sind, lässt sich nicht unabhängig überprüfen. Unklar ist offenbar auch, ob Saluschnys Aussagen alle Teilstreitkräfte umfassen.

Nach anfänglichen Gebietsgewinnen der Kremltruppen hat die ukrainische Armee die russischen Streitkräfte inzwischen wieder aus Teilen des Landes vertrieben. Derzeit halten russischen Einheiten vor allem Teile der Südukraine und im Osten des Landes besetzt. Bei täglichen Raketen- und Artillerieangriffen kamen auch Tausende Zivilisten ums Leben, Hunderttausende mussten flüchten. Angaben zu den bislang getöteten Zivilisten auf dem Gebiet der Ukraine machte Saluschny nicht.

Bislang hatte es nur wenige ukrainische Angaben zu Verlusten der eigenen Truppen gegeben. Nach 100 Tagen Krieg räumte der ukrainische Verteidigungsminister Oleksij Resnikow im Juni bei den schweren Kämpfen im Osten des Landes ein, dass Tag für Tag bis zu hundert ukrainische Soldaten getötet und bis zu 500 verletzt würden.

Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte die Zahl der täglich getöteten ukrainischen Soldaten Anfang Juni mit 60 bis 100 beziffert. Die letzte Gesamtbilanz datiert von Mitte April. Damals hatte Selenskyj von bis zu 3000 getöteten ukrainischen Soldaten und etwa 10.000 Verletzten gesprochen.

Der Generalstab der ukrainischen Streitkräfte schätzt die Zahl der getöteten russischen Armeeangehörigen derzeit auf mehr als 45.000. Unabhängig prüfen lassen sich die Zahlen nicht, Moskau macht zu den eigenen Verlusten keine Angaben.

Experten hatten allerdings bereits im Mai vermutet, dass die Ausfälle auf russischer Seite ein historisches Ausmaß angenommen haben. Der britische Geheimdienst schätzte damals, Russland müsse bereits ähnlich hohe Verluste hinnehmen wie die Rote Armee in den neun Jahren des sowjetischen Krieges in Afghanistan. Derzeit kämpft der Kreml offenbar mit Motivationsproblemen bei Russlands Hilfstruppen. Das britische Verteidigungsministerium berichtete am Montag, es falle Moskau immer schwerer, Einheiten aus den Separatistengebieten für den andauernden Krieg gegen die Ukraine zu motivieren.

fek/Reuters/AFP
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