Erste ukrainische Großstadt Cherson unter Kontrolle der russischen Streitkräfte

Ukrainische Beamte haben die Einnahme der seit Tagen umkämpften Hafenstadt Cherson bestätigt – zuvor wurden Berichte aus Moskau dementiert. Dem Bürgermeister zufolge drangen russische Soldaten in das Rathaus ein.
Russische Soldaten bewachen einen ukrainischen Militärstützpunkt bei Perevalne

Russische Soldaten bewachen einen ukrainischen Militärstützpunkt bei Perevalne

Foto: Bulent Doruk / Anadolu Agency / Getty Images

Die südukrainische Stadt Cherson wurde von der russischen Armee eingenommen. Das bestätigten ukrainische Beamte Mittwochabend. Zuvor hatte die Regierung in Kiew russische Berichte über die Einnahme der umkämpften Hafenstadt noch zurückgewiesen. Nach Angaben des russischen Militärs sei Cherson bereits seit Mittwochmorgen unter russischer Kontrolle.

Dem Bürgermeister zufolge sind russische Soldaten in das Bürgermeisteramt eingedrungen. In einer Erklärung rief Ihor Kolychajew die russischen Truppen in der Stadt auf, nicht auf Zivilisten zu schießen. Diese sollen nur tagsüber und allein oder zu zweit auf die Straße gehen. »Wir haben keine Streitkräfte in der Stadt, nur Zivilisten und Menschen, die hier leben wollen«, heißt es weiter.

Ukrainische Medien hatten zuvor von Kämpfen in der Stadt mit etwa 280.000 Einwohnern berichtet. Der Berater des Innenministeriums, Anton Heraschtschenko, sprach von zahlreichen toten Zivilisten, die Cherson unter anderem mit sogenannten Molotowcocktails verteidigt hätten. Nach örtlichen Berichten habe es zahlreiche Tote und Verletzte unter ukrainischen Soldaten und Zivilisten gegeben.

Mit der Einnahme Chersons könnte Russland den ukrainischen Nachschub zwischen dem Westen und dem Osten des Landes schwer treffen.

Massive Angriffe auf Mariupol

Auch die strategisch wichtige ukrainische Hafenstadt Mariupol steht nach Angaben ihres Bürgermeisters Wadym Boitschenko unter russischem Dauerbeschuss. Die Stadt sei über 14 Stunden ununterbrochen angegriffen worden, sagte Boitschenko bei einer Pressekonferenz. Neben dem Hafen wurden nach Angaben von Behördenvertretern auch zivile Ziele angegriffen, darunter eine Entbindungsstation und eine Schule. 42 Menschen seien verletzt worden.

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Es gebe Angriffe auf Gebiete, in denen es »keine militärische Infrastruktur« gebe, sagte der Chef der regionalen Militärverwaltung, Pawlo Kyrylenko. Boitschenko warf der russischen Armee vor, Zivilisten am Verlassen der Stadt hindern zu wollen.

kim/dpa/Reuters