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Acht Milliarden: Russlands Krieg »Die Ukrainer müssen sich jetzt beweisen«

Im Süden der Ukraine steht eine Gegenoffensive bevor, die für weitere Waffenlieferungen aus dem Westen entscheidend sein dürfte. Und gleichzeitig tobt der Propagandakrieg um das Getreide für die Welt.

47 Millionen Menschen sind akut von Hunger bedroht, wenn kein Getreide aus der Ukraine und Russland geliefert wird. Das meldet das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen.

Alles hängt davon ab, ob das Abkommen zwischen Russland und der Ukraine hält, das wieder Getreidelieferungen aus den Häfen von Odessa ermöglichen soll, den einzigen Häfen, die noch nicht von Russland kontrolliert werden. Und auch davon, ob Russland diese Häfen nicht erneut attackiert, wie es nur einen Tag nach der Unterzeichnung geschah.

Das fragile Gebilde dieser Vereinbarung wird maßgeblich durch den Kriegsverlauf im Süden der Ukraine beeinflusst. Nachdem die russischen Streitkräfte in den ersten Kriegswochen nicht bis Odessa vorstoßen konnten, hat sich die Frontlinie westlich der Stadt Cherson verhärtet. Dort hatten die Russen nun mehrere Monate Zeit, ihre Stellungen zu armieren. Und dort soll auch die von Präsident Wolodymyr Selenskyj angekündigte Gegenoffensive starten. Ein entscheidender Test für die Ukraine und für die Möglichkeit, weiterhin Waffen aus dem Westen zu bekommen.

»Wenn das gelingt, wäre das auch ein Beweis für die westlichen Partner: Seht her, also wir liefern dort unsere Himas-Raketenwerfer und unser anderes Gerät hin und die wissen was damit anzustellen. Die Ukrainer müssen das jetzt beweisen«, sagt SPIEGEL-Reporter Aleksandar Sarovic im Podcast. »Wenn aber umgekehrt die Gegenoffensive nicht glückt, dann würden Sie sagen: Wenn Sie es nicht mal schaffen, dieses Stück Land zurückzuerobern, dann müssen wir uns fragen, ob das Ganze nicht ohnehin militärisch ein aussichtsloses Unterfangen ist. Und warum sollten wir dann weiter Waffen schicken?«

Eine solche Entwicklung hätte fatale Folgen für die Ukraine. Und für den Westen. Denn gleichzeitig heizt Russland den Propagandakrieg um Getreidelieferungen dort an, wo sie dringend erwartet werden: in Afrika. Die ganze Woche war Russlands Außenminister Sergej Lawrow dort unterwegs, versprach seinen Einsatz für rechtzeitige Lieferungen und verteilte großzügig das russische Narrativ, westliche Sanktionen würden die Lieferungen verhindern – und nicht etwa der russische Angriffskrieg, gegen den sie sich richten.

»Es gab aus afrikanischen Ländern ja schon Stimmen gegen diese Sanktionen und einzelne, die dieses Narrativ aufgegriffen haben. Macky Sall, der Präsident der Afrikanischen Union, zum Beispiel«, erklärt Lina Verschwele aus dem SPIEGEL-Auslandsressort. »Daran kann man gut ablesen, dass es diesen geschlossenen Block gegen Russland, den man manchmal wahrzunehmen glaubt, einfach nicht gibt. Natürlich gibt es in anderen Regionen der Welt große Ressentiments gegen den Westen und die sind ja auch nachvollziehbar in vielen Punkten und lassen sich jetzt natürlich von Russland wahnsinnig gut instrumentalisieren.«

Wann beginnt die ukrainische Gegenoffensive im Süden? Wovon hängt ihr Erfolg ab? Und warum könnte die russische Propagandaoffensive in Afrika auch Ablehnung hervorrufen?
Darüber sprechen Lina Verschwele und Aleksandar Sarovic in dieser Folge des Auslandspodcasts »Acht Milliarden«.

Die aktuelle Folge hören Sie hier:

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