Konferenz in Lugano So berät die Welt über den Wiederaufbau der Ukraine

Eine Art Marshallplan soll her: Dutzende Länder sprechen in Lugano über den Wiederaufbau der Ukraine. Wie funktioniert das? Die wichtigsten Fragen und Antworten.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Konferenzteilnehmer in Lugano: Plattform für den Wiederaufbau der Ukraine

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Konferenzteilnehmer in Lugano: Plattform für den Wiederaufbau der Ukraine

Foto: Fabrice Coffrini / AFP

Delegationen aus etwa 40 Ländern beraten im schweizerischen Lugano über den Wiederaufbau der Ukraine. Bei der zweitägigen Konferenz soll eine Art Marshallplan für das vom Krieg geschundene Land entworfen werden. Der Überblick.

Worum geht es bei der Konferenz?

Die ukrainische Regierung kann ihren Wiederaufbauplan vorstellen und mit ihren Verbündeten darüber diskutieren, wie die gewaltigen Herausforderungen am besten bewältigt werden können. »Lugano wird eine der ersten, wenn nicht sogar die erste Plattform sein, auf der über den Wiederaufbau der Ukraine, konkrete Schritte und einen Plan diskutiert wird«, sagte der ukrainische Botschafter in der Schweiz, Artem Rybtschenko, vor dem Treffen. Zum Abschluss der Konferenz soll eine gemeinsame Erklärung beschlossen werden.

Die Planungen für die Konferenz waren schon vor dem Beginn des russischen Angriffskriegs angelaufen. Ursprünglich sollten bei dem Treffen Reformen und der Kampf gegen die Korruption in der Ukraine erörtert worden. Doch der russische Einmarsch hat die Tagesordnung verändert.

Wer nimmt teil?

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sollte ursprünglich nach Lugano reisen und an der Seite seines Schweizer Kollegen Ignazio Cassis den Vorsitz der Konferenz übernehmen. Wegen des Kriegs nimmt Selenskyj aber nur virtuell an den Beratungen teil. Er wird in Lugano von Regierungschef Denys Schmyhal vertreten, der von fünf Ministern und mehreren Abgeordneten begleitet wird.

An der Konferenz nehmen außerdem hochrangige Delegationen aus 37 weiteren Ländern, Vertreter von 14 internationalen Organisationen sowie Hunderte Wirtschaftsvertreter und Repräsentanten der Zivilgesellschaft teil. Unter anderem sagten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und die Ministerpräsidenten Polens, Tschechiens und Litauens ihre Teilnahme zu. Für Deutschland reiste Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) nach Lugano. Sie sprach mit Blick auf den Wiederaufbau von einer »immensen Aufgabe«.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei seiner Rede per Video: Wichtigster Beitrag zum Weltfrieden

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei seiner Rede per Video: Wichtigster Beitrag zum Weltfrieden

Foto: ARND WIEGMANN / REUTERS

Was ist das Ziel der Konferenz?

Die Teilnehmenden wollen eine Strategie entwerfen, die sich am Marshallplan orientiert, der nach dem Zweiten Weltkrieg zum Wiederaufbau Europas beigetragen hat. Der Wiederaufbau der Ukraine wird voraussichtlich Hunderte Milliarden Euro kosten, die ukrainische Regierung schätzt, man benötige 720 Milliarden Euro. Denn schon jetzt, vier Monate nach Kriegsbeginn, hat das Land verheerende Zerstörungen erlitten.

Das Treffen solle als »Kompass« für die bevorstehenden Aufgaben dienen, sagte der Schweizer Konferenzbeauftragte Simon Pidoux im Vorfeld. Der Wiederaufbau der Ukraine werde sich »über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte hinziehen«.

Wie lief der Beginn?

Der ukrainische Präsident Selenskyj hat die internationale Gemeinschaft eindringlich zur Unterstützung beim Wiederaufbau seines Landes aufgerufen. Es sei die »gemeinsame Aufgabe der gesamten demokratischen Welt«, sein vom russischen Angriffskrieg zerstörtes Land wieder aufzubauen, sagte Selenskyj in einer Videoansprache zum Auftakt. Die Unterstützung seines Landes sei der »wichtigste Beitrag zum Weltfrieden«.

Die Europäische Union sagte Hilfe zu. Die EU werde eine Wiederaufbauplattform einrichten, sagte Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission. Diese werde dazu dienen, den Investitionsbedarf zu ermitteln, Maßnahmen zu koordinieren und Ressourcen zu kanalisieren. »Seit dem Beginn des Kriegs hat die Europäische Union rund 6,2 Milliarden Euro an finanzieller Unterstützung mobilisiert«, sagte von der Leyen: »Und es wird noch mehr kommen. Wir werden uns maßgeblich am mittel- und langfristigen Wiederaufbau beteiligen.«

In welchem Rahmen findet die Konferenz statt?

Lugano ist eines drei großen Finanzzentren der Schweiz. Die am gleichnamigen See gelegene Stadt ist ein beliebter Urlaubsort. Nach Angaben der Schweizer Behörden wurden für die Konferenz strenge Sicherheitsvorkehrungen getroffen. 1600 Soldaten wurden zur Unterstützung der Polizeikräfte vor Ort nach Lugano entsandt, zudem gelten Einschränkungen im Luftraum.

ptz/AFP/dpa/Reuters
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