Asow-Stahlwerk Kiew ordnet Ende der Verteidigung von Mariupol an

Russland hatte bereits im April behauptet, die Hafenstadt Mariupol unter Kontrolle zu haben – tatsächlich leistete aber das Asow-Regiment von einem Stahlwerk aus weiter Widerstand. Nun gibt der Kommandeur die Aufgabe bekannt.
Das Asow-Stahlwerk in Mariupol aus der Luft

Das Asow-Stahlwerk in Mariupol aus der Luft

Foto: Uncredited / dpa

Die Hafenstadt Mariupol ist seit Wochen Fixpunkt schwerer Kämpfe zwischen den Kremltruppen und der ukrainischen Armee – zuletzt verschanzte sich eine letzte Einheit des ukrainischen Asow-Regiments im Mariupoler Industriekomplex Asow-Stahl. Damit ist es nun vorbei: Nach Angaben des Asow-Kommandeurs Denys Prokopenkos hat die ukrainische Regierung das Ende der Verteidigung von Mariupol beschlossen.

»Das höhere Militärkommando hat den Befehl gegeben, das Leben der Soldaten unserer Garnison zu retten«, sagte Prokopenko in einem am Mittag veröffentlichten Video. Es werde daran gearbeitet, die Leichen getöteter Kämpfer aus der Anlage zu bringen. Alle Verwundeten seien evakuiert worden und nur die »getöteten Helden« geblieben, sagte Prokopenko.

Russland hatte bereits im April nach wochenlanger Belagerung erklärt, die Kontrolle über Mariupol übernommen zu haben. Faktisch war das nicht ganz richtig: Ukrainische Soldaten hatten sich im Tunnelsystem unter dem riesigen Industriekomplex von Asow-Stahl verschanzt, wo sie von russischen Truppen weiter belagert wurden.

Ukraine hofft auf Gefangenenaustausch

Diese Woche hatten die dort verbliebenen Kämpfer des Asow-Regiments begonnen, sich zu ergeben. Nach russischen Angaben kamen bis Freitag rund 2000 ukrainische Kämpfer aus dem Werk und wurden gefangen genommen.

Die ukrainische Regierung hofft auf die Befreiung der Soldaten aus dem Stahlwerk im Rahmen eines Gefangenenaustauschs. Die russischen Behörden haben jedoch wiederholt darauf hingewiesen, dass sie zumindest einen Teil von ihnen nicht als Soldaten, sondern als neonazistische Kämpfer betrachten.

Leonid Slutski, der für Moskau im Laufe des Krieges auch als Unterhändler tätig war, brachte für die Verteidiger des Stahlwerks sogar die Todesstrafe ins Spiel.

Die vollständige Einnahme Mariupols wäre für Moskau ein strategischer Erfolg. Dem ukrainischen Generalstab zufolge hat der erbitterte Widerstand in der Hafenstadt den Vormarsch der russischen Streitkräfte auf die Großstadt Saporischschja, die sich nach wie vor in ukrainischer Hand befindet, entscheidend verlangsamt.

mfh/mrc/AFP