Krieg in der Ukraine Schwere Waffensysteme aus Deutschland kommen offenbar in Lyssytschansk zum Einsatz

Vergangene Woche kamen die ersten Panzerhaubitzen vom Typ 2000 in der Ukraine an. Nun helfen die Artilleriegeschütze anscheinend beim Kampf um den Donbass.
Panzerhaubitzen des Typs 2000 in Munster

Panzerhaubitzen des Typs 2000 in Munster

Foto: Gregor Fischer / AFP

Aus Deutschland an die Ukraine gelieferte Panzerhaubitzen vom Typ 2000 kommen offenbar in der Region um Lyssytschansk zum Einsatz, wo die russischen Truppen aktuell Großangriff um Großangriff starten.

Das geht aus einem Tweet des Accounts »Ukraine Weapons Tracker« hervor, der regelmäßig Informationen über Einsätze von Kriegsgeräten mittels Geolocation verifiziert. In diesem Fall haben die Betreiber des Accounts auf SPIEGEL-Anfrage angegeben, die Informationen von dem Instagram-Account der ukrainischen Vize-Verteidigungsministerin Hanna Maliar zu haben.

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Der Gouverneur der ostukrainischen Region Luhansk, Serhij Hajdaj, erklärte am Dienstag im ukrainischen Fernsehen, dass Lyssytschansk »dauerhaft mit großen Kalibern bombardiert« werde. Die Kämpfe in den Vororten der Stadt dauerten an. »Die russische Armee versucht ständig anzugreifen.« In der Stadt halten sich den Angaben des Gouverneurs zufolge noch rund 15.000 Zivilisten auf.

Lyssytschansk ist das nächste wichtige Ziel der russischen Truppen, nachdem sie die Nachbarstadt Sjewjerodonezk nach wochenlangen Gefechten am Wochenende komplett eingenommen hatten. Die Region Luhansk, eine der beiden Teilregionen des Donbass, steht damit nahezu vollständig unter russischer Kontrolle. Nun sollen die Panzerhaubitzen aus Deutschland und den Niederlanden offenbar helfen, Lyssytschansk doch noch zu halten.

Vergangene Woche sind alle sieben von der Bundesregierung versprochenen Artilleriegeschütze vom Typ Panzerhaubitze 2000 in der Ukraine eingetroffen. Wo genau die ersten schweren Waffensysteme aus Deutschland eingesetzt werden, war bisher streng geheim. Der Grund: Die Zerstörung der Artilleriewaffen hat beim Feind eine hohe Priorität.

Die Bundesregierung hatte bei der Zusage schwerer Waffen lange gezögert. Lambrecht hatte Anfang Mai die Abgabe der sieben Panzerhaubitzen 2000 aus Bundeswehrbeständen angekündigt. Die Niederlande sollten fünf weitere Exemplare der auf einem Panzerfahrgestell montierten Haubitzen bereitstellen.

Deutschland hatte die Ausbildung der ukrainischen Soldaten an den Haubitzen übernommen. Sie begann am 11. Mai in der Bundeswehr-Artillerieschule im rheinland-pfälzischen Idar-Oberstein.

Deutschland liefert weitere Haubitzen in die Ukraine

Erst am Dienstag gaben Deutschland und die Niederlande bekannt, dass sie der Ukraine sechs weitere Modelle der Panzerhaubitze liefern werden. Die Bundesregierung habe entschieden, »dass wir drei weitere Panzerhaubitzen 2000 an die Ukraine abgeben können«, sagte Verteidigungsministerin Christine Lambrecht. »Damit gehe ich schon an die absolute Grenze dessen, was verantwortbar ist.« Nach ihren Angaben hatte die Ukraine Deutschland und die Niederlande um die zusätzlichen Lieferungen gebeten.

Die Ukraine bittet westliche Partner seit Monaten um die Lieferung von Geschützen mit größerer Reichweite, um den russischen Vormarsch zu stoppen. Die Panzerhaubitze 2000 kann je nach verwendeter Munition 30 bis 40 Kilometer weit schießen. Sie gilt als eine der modernsten Haubitzen der Welt und kann bis zu zehn Granaten pro Minute abfeuern.

svs/mgb
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