Anweisung an Militär Putin versetzt Atomstreitkräfte in Alarmbereitschaft

In einer weiteren Eskalation hat Russlands Präsident sogenannte Abschreckungskräfte in Bereitschaft versetzt, dazu gehören Atomwaffen. Grund seien die Sanktionen und das »aggressive Verhalten« der Nato.
Wladimir Putin bei Fernsehansprache am 21. Februar 2022

Wladimir Putin bei Fernsehansprache am 21. Februar 2022

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Alexei Nikolsky / dpa

Wladimir Putin hat die Nuklearstreitkräfte seines Landes in Alarmbereitschaft versetzt. Das ordnete der Präsident Russlands in einem vom Kreml verbreiteten Video an. »Die Spitzenpersönlichkeiten der führenden Nato-Staaten lassen aggressive Äußerungen gegen unser Land zu«, sagte Putin. »Deshalb befehle ich dem Verteidigungsminister und dem Chef des Generalstabs, die Streitkräfte der Abschreckung der russischen Armee in ein besonderes Regime der Alarmbereitschaft zu versetzen.« Die EU und die Vereinigten Staaten hatten zuvor beispiellose Sanktionen gegen Russland erlassen.

DER SPIEGEL

Putin hatte bereits am vergangenen Donnerstag in seiner Erklärung zum Beginn des Einmarsches in die Ukraine davor gewarnt, gegen Russland Aggressionen zu üben. In einer Ansprache drohte er mit den »härtesten Konsequenzen« und betonte, Russland sei heute eine »der mächtigsten Nuklearmächte der Welt«.

Sorgen vor Eskalation

Erst am 19. Februar hielt der Präsident eine groß angelegte Übung der nuklearen Streitkräfte ab. Dabei kamen Waffen ohne Atomsprengköpfe zum Einsatz.

Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri hatte nach Putins Rede mitgeteilt, dass es nicht damit rechne, dass der Ukrainekrieg zum Einsatz von nuklearen Waffen führen wird. »Ich glaube nicht, dass ein Atomkrieg eine wahrscheinliche Folge dieser Krise ist«, sagte Sipri-Direktor Dan Smith gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. »Wenn Atomwaffen existieren, dann gibt es aber leider natürlich immer diese kleine Möglichkeit. Und das wäre katastrophal.«

USA kritisieren Alarmbereitschaft

Die Vereinigten Staaten haben den Schritt der russischen Regierung scharf kritisiert. Präsident Wladimir Putin beschwöre angebliche Bedrohungen herauf, »um weitere Aggression zu rechtfertigen«, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, dem Fernsehsender ABC. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sprach von einer »gefährlichen Rhetorik« Putins. Das Verhalten des russischen Präsidenten sei »verantwortungslos«, sagte er dem Sender CNN.

Auch die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Linda Thomas-Greenfield, verurteilte Putins Schritt. Der russische Präsident »eskaliert diesen Krieg auf eine Weise, die vollkommen inakzeptabel ist«, sagte sie dem Sender CBS.

rai/dpa