+++ Krieg in Osteuropa +++ Brücken zerstört – Zivilisten-Evakuierung aus Sjewjerodonezk laut Ukraine unmöglich

Rund um Sjewjerodonezk stehe keine Brücke mehr, sagt der Gouverneur der Region – und sorgt sich um die Zivilbevölkerung. In russischer Hand sei die Stadt aber nicht. Und: Lambrecht verteidigt deutsche Unterstützung. Das waren die News am 13. Juni.
Zerstörungen in Sjewjerodonezk: Evakuierung laut Gouverneur nicht möglich

Zerstörungen in Sjewjerodonezk: Evakuierung laut Gouverneur nicht möglich

Foto: SERHII NUZHNENKO / REUTERS

Selenskyj verspricht Rückeroberung der Krim

22.45 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat seinen Landsleuten eine Rückeroberung der von Russland annektierten Halbinsel Krim versprochen. »Die ukrainische Flagge wird wieder über Jalta und Sudak, über Dschankoj und Jewpatorija wehen«, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft am Montag in Kiew. »Natürlich werden wir auch unsere Krim befreien.«

Russland hatte die Halbinsel im Schwarzen Meer 2014 besetzt. Anschließend wurde ein international nicht anerkanntes Referendum abgehalten und die Krim Russland angegliedert. Selenskyj hatte immer eine Rückkehr der Halbinsel verfochten, dies aber selten so nachdrücklich als Kriegsziel formuliert.

Separatisten in Donezk berichten von heftigem ukrainischem Beschuss

21.29 Uhr: Die von Russland kontrollierten Separatisten in Donezk haben am Montag von dem bislang angeblich heftigsten ukrainischen Beschuss auf die Stadt seit Beginn des Krieges berichtet. Vier Menschen seien getötet und mindestens 23 Menschen verletzt worden, hieß es in örtlichen Medienberichten. Auch eine Geburtsklinik in der früheren Millionenstadt sei in Brand geraten, dort sei aber niemand verletzt worden. Die Berichte waren nicht unabhängig überprüfbar.

Zum Schutz der Stadt und der Volksrepublik Donezk seien weitere Truppen »verbündeter Kräfte«, also der russischen Armee nötig, sagte Separatistenführer Denis Puschilin der Agentur DAN zufolge.

Selenskyj übt deutliche Kritik an Scholz

20.04 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat von Bundeskanzler Scholz (SPD) mehr Eindeutigkeit in der Unterstützung seines Landes gefordert. »Wir brauchen von Kanzler Scholz die Sicherheit, dass Deutschland die Ukraine unterstützt«, sagte Selenskyj dem »heute-journal«. Scholz und seine Regierung müssten sich entscheiden: »Es darf kein Spagat versucht werden zwischen der Ukraine und den Beziehungen zu Russland.« Der deutsche Bundeskanzler müsse eine Position einnehmen und nicht suchen, wo es am wenigsten weh tut in den Beziehungen zu Russland und der Ukraine. Dieser Ansatz sei falsch.

Sämtliche Brücken nach Sjewjerodonezk laut Ukraine zerstört

19.27 Uhr: Alle Brücken ins umkämpfte Sjewjerodonezk sind nach ukrainischen Angaben zerstört. Dies mache die Evakuierung der verbliebenen Zivilisten unmöglich, sagte der Gouverneur von Luhansk, Serhij Gaidai. Er fügte hinzu, dass ein gewisser »Zugang« zur Stadt noch vorhanden sei. Russland habe die Stadt nicht vollständig unter seine Kontrolle gebracht, »ein Teil« bleibe unter ukrainischer Kontrolle.

Bundeswehr laut Lambrecht bei Ukraine-Lieferungen schnell an Grenzen gestoßen

19.09 Uhr; Verteidigungsministerin Christine Lambrecht hat die deutsche Unterstützung für die Ukraine gegen den russischen Angriffskrieg verteidigt. Mit Blick auf die gemeinsame Reaktion der Nato und mit den EU-Partnern sagte die SPD-Politikerin am Montag bei einer deutsch-amerikanischen Veranstaltung in Berlin: »Im Moment der Gefahr stehen wir zusammen. Und wir sind zu außerordentlichem Handeln fähig.« Man unterstütze die Ukraine mit Waffen, Geld und Hilfsgütern. Gemeinsam stärke man die verletzliche Ostflanke der Nato, um das gesamte Bündnis sicherer zu machen. Auch Deutschland helfe viel.

So habe die Bundesregierung sehr schnell vom Material der Bundeswehr abgegeben, »was wir konnten«, betonte Lambrecht. Man sei aber sehr schnell an Grenzen gestoßen, nachdem die Bundeswehr in den vergangenen Jahren zusammengespart worden sei.

Scholz schweigt zu möglicher Kiew-Reise

18.22 Uhr: Bundeskanzler Olaf Scholz schweigt zu den Berichten über eine in den nächsten Tagen anstehende gemeinsame Kiew-Reise mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Italiens Ministerpräsident Mario Draghi. »Ich glaube, der Regierungssprecher hat alles das, was wir jetzt zu diesen Themen sagen können, bereits gesagt«, sagte der SPD-Politiker nach einem Treffen mit ostdeutschen Ministerpräsidenten auf der Insel Riems bei Greifswald auf eine Frage nach seinen Besuchsplänen für die Ukraine. Die Sprecher der Bundesregierung haben die Berichte über einen in den nächsten Tagen anstehenden Besuch der drei Staats- und Regierungschefs in Kiew bisher weder bestätigt noch dementiert.

Nach Luftangriffen offenbar vier Dörfer evakuiert

18.09 Uhr: Nach Luftangriffen auf die nordukrainische Stadt Pryluky sind vier umliegende Ortschaften evakuiert worden. »Der Feind hat drei Raketen auf Pryluky gefeuert«, schrieb der Gouverneur der Region Tschernihiw, Wjatscheslaw Tschaus, im Onlinedienst Telegram. Wegen Brandgefahr sei die Evakuierung angeordnet worden, sagte der Leiter des Zivilschutzes der Region, Sergej Boldyrew, laut der Nachrichten-Website »Suspilne«.

Pryluky liegt 150 Kilometer östlich von Kiew und hat einen Militärflugplatz. Genauere Angaben zu entstandenen Schäden machten die Behördenvertreter zunächst nicht.

Nach dem Abzug russischer Truppen aus der Region Kiew und dem Norden des Landes Anfang April war die Gegend von Kämpfen weitgehend verschont geblieben. Bei einem Angriff auf eine Militärbasis in der Region Tschernihiw am 17. Mai waren allerdings 87 Menschen getötet worden.

Scholz weist Kritik an schleppender Lieferung schwerer Waffen zurück

17.40 Uhr: Kanzler Olaf Scholz hat den Vorwurf zurückgewiesen, bereits versprochene Waffen zu zögerlich an die Ukraine zu liefern. Er verwies auf die Ausbildung für die ukrainischen Streitkräfte, die für die teils sehr modernen und komplizierten Waffensysteme erforderlich sei. »Es geht um richtig schweres Gerät. Das muss man benutzen können, dafür muss man trainiert werden, das findet in der Bundesrepublik Deutschland gegenwärtig statt«, sagte Scholz.

»Wir werden die Waffen, die wir auf den Weg gebracht haben, alle liefern«, so Scholz. Die Industrie habe die Waffen in ihrem Bestand und bereite sie entsprechend vor – das gelte auch für die Bundeswehr, die diejenigen Waffen vorbereite, für die sie zuständig sei. Zur Kritik am Tempo der Waffenlieferungen sagte er: »Ich glaube, dass es wirklich eine gute Sache wäre, wenn der eine oder andere noch mal kurz überlegt, bevor er seine Meinung zu dem einen oder anderen Thema äußert.«

Die Ukraine wirft der Bundesregierung seit längerem Zögerlichkeit bei den Waffenlieferungen vor. Seit dem 3. Mai seien zwar sechs Millionen Schuss Munition in der Ukraine angekommen, aber keine Waffen mehr, hieß es zuletzt aus Kiew.

Kiew: Sieben weitere Leichen in Grube nahe Butscha entdeckt

17.15 Uhr: In der Nähe des Kiewer Vororts Butscha sind nach Polizeiangaben die Leichen von sieben weiteren Zivilisten gefunden worden. Sie seien »von den Russen gefoltert und dann feige mit einem Kopfschuss hingerichtet« worden, erklärte der Polizeichef von Kiew, Andrij Nebytow, auf Facebook. Mehrere der Opfer, die in einer Grube nahe der Ortschaft Myrozke entdeckt wurden, seien an Händen und Knien gefesselt gewesen.

Die Behörden arbeiteten nun an der »Identifizierung der Opfer«, erklärte Nebytow. Myrozke liegt rund zehn Kilometer von Butscha und 35 Kilometer von Kiew entfernt. Ende April waren dort bereits drei Leichen mit gefesselten Händen in einer Grube entdeckt worden.

Der Vorort stand rund vier Wochen lang unter Kontrolle russischer Truppen, bevor diese Ende März wieder abzogen. Danach wurden nach Polizeiangaben in Butscha und Umgebung etwa 400 Leichen entdeckt. Während internationale Ermittlungen zu möglichen Kriegsverbrechen laufen, bestreitet Moskau jede Verantwortung für diese Tötungen.

Schweden geht im Nato-Streit offenbar auf Türkei zu

16.16 Uhr: Schweden ist nach Darstellung von Nato–Generalsekretär Jens Stoltenberg im Streit über eine Aufnahme in das Militärbündnis auf die Türkei zugegangen. Die Regierung in Stockholm habe begonnen, die Gesetze zur Terrorabwehr anzupassen, sagte Stoltenberg in der schwedischen Hauptstadt. Zudem werde der rechtliche Rahmen für Waffenlieferungen an den geplanten zukünftigen Status als Nato-Mitglied angepasst. Die Türkei lehnt unter Hinweis auf diese beiden Punkte den schwedischen Antrag auf Nato-Mitgliedschaft ab.

Amnesty stuft Angriff auf Charkiw als Kriegsverbrechen ein

16.13 Uhr: Der russische Angriff auf Charkiw kommt einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International zufolge einem Kriegsverbrechen gleich. Amnesty habe nach einer 14-tägigen Untersuchung im April und Anfang Mai Beweise dafür gefunden, dass Russland Streumunition und Streuminen in der ostukrainischen Stadt eingesetzt hat.

»Die wiederholten Bombardierungen von Wohnvierteln in Charkiw sind wahllose Angriffe, bei denen Hunderte von Zivilisten getötet und verletzt wurden, und stellen somit Kriegsverbrechen dar«, heißt es in dem Bericht. Auch die Ukraine hat dem Bericht zufolge gegen das Völkerrecht verstoßen. Sie habe Artillerie in der Nähe von Wohngebäuden positioniert.

Stellungnahmen der russischen und ukrainischen Verteidigungsministerien liegen nicht vor.

Vater des zum Tode verurteilten Kämpfers: Mein Sohn ist Ukrainer

15.52 Uhr: Der Vater des marokkanischen Kämpfers, der in der prorussischen Separatistenregion Donezk zum Tode verurteilt wurde, prangert die Begründung des Urteils an. Brahim Saadoune sollte als Kriegsgefangener – und nicht als Söldner – behandelt werden, da er seit 2020 ukrainischer Staatsbürger sei, schreibt sein Vater Tahar Saadoune in einer E-Mail an die Nachrichtenagentur Reuters.

Brahim Saadoune und zwei Briten, die an der Seite der Ukraine kämpften, wurden vergangene Woche vor einem Gericht in der nur von Russland anerkannten »Volksrepublik Donezk« zum Tode verurteilt. Sie seien Söldner und hätten versucht, die verfassungsmäßige Ordnung der Republik zu zerstören, hieß es.

Deutsche uneinig über möglichen EU-Beitritt der Ukraine

15.25 Uhr: Laut einer SPIEGEL-Umfrage gibt es unter den Deutschen fast ebenso viele Gegner eines ukrainischen EU-Beitritts wie Befürworter. Die Antworten variieren je nach Wohnort.

Russland steigt zu Indiens zweitgrößtem Öllieferanten auf

14.55 Uhr: Russland ist im Mai zum zweitgrößten Öllieferanten Indiens nach dem Irak aufgestiegen und hat Saudi-Arabien auf den dritten Platz verdrängt. Im vergangenen Monat erhielten die indischen Raffinerien rund 819.000 Barrel pro Tag an russischem Öl, wie aus der veröffentlichten Handelsstatistik hervorgeht. Das ist der bislang höchste Wert. Zum Vergleich: Noch im April waren es nur rund 277.000 Barrel (je 159 Liter).

Die westlichen Sanktionen gegen Russland haben viele Ölimporteure dazu veranlasst, den Handel mit Moskau zu meiden. Weil dadurch die Nachfrage sank, wurden die Spotpreise für russisches Rohöl mit Rekordabschlägen gegenüber anderen Sorten gehandelt. Dies bot den indischen Raffinerien, die zuvor aufgrund der hohen Transportkosten nur selten russisches Öl kauften, die Möglichkeit zum Erwerb von vergleichsweise preisgünstigem Rohöl.

Ukrainische Polizei: Über 12.000 tote Zivilisten

14.27 Uhr: Im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sind nach ukrainischen Angaben mehr als 12.000 Zivilisten umgekommen. Die meisten Opfer seien durch Explosionen getötet worden, sagte der Chef der ukrainischen Polizei, Ihor Klymenko, in einem am Montag von der Agentur Interfax-Ukraine veröffentlichten Interview. 75 Prozent der Getöteten seien Männer, zwei Prozent Kinder und die Übrigen Frauen. »Es handelt sich um Zivilbevölkerung, diese Menschen standen in keiner Beziehung zum Militär oder den Rechtsschutzorganen«, unterstrich Klymenko. 1200 Opfer habe man noch nicht identifizieren können.

Mehr als 1500 Tote wurden nach dem Abzug russischer Truppen Ende März allein im Gebiet um die Hauptstadt Kiew gefunden. Funde von Massengräbern und gefesselten Erschossenen vor allem im Kiewer Vorort Butscha hatten weltweit Entsetzen ausgelöst. Die Vereinten Nationen haben bisher erst 4300 getötete Zivilisten erfasst.

Kämpfer in der Ukraine: Mit Kindergemälden im Schützengraben

14.21 Uhr: Brennende Felder, permanente Einschläge – und die eigene Familie immer im Herzen mit im Krieg: Aktuelle Aufnahmen aus dem Osten und Süden der Ukraine bieten einen beklemmenden Einblick in den Alltag an der Front:

DER SPIEGEL

Verteidigungsministerin Lambrecht kündigt territoriales Führungskommando an

14.04 Uhr: Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht hat angesichts des Kriegs in der Ukraine eine Strukturreform der Bundeswehr-Führung angekündigt. »Bislang waren die territorialen Führungsaufgaben über viele Bereiche verteilt«, teilte Lambrecht am Montag mit. »Zum 1. Oktober 2022 werden wir sie in einem ›Territorialen Führungskommando der Bundeswehr‹ in Berlin bündeln.« Der russische Einmarsch in der Ukraine habe die Notwendigkeit unterstrichen, die Führungsorganisation der Streitkräfte auf die Anforderungen der Landes- und Bündnisverteidigung auszurichten. Mit der Reform werde die Führungsstruktur an die aktuelle Sicherheitslage angepasst.

Putin entlässt bekannte Juristin aus Staatsdienst

13.24 Uhr: Nachdem sie sich kritisch über Russlands Krieg gegen die Ukraine geäußert hat, hat Kremlchef Wladimir Putin eine prominente Juristin aus dem Staatsdienst entlassen. Per Dekret entzog Putin Natalja Poklonskaja ihren Posten als stellvertretende Leiterin von Rossotrudnitschestwo – eine ans russische Außenministerium angegliederte Organisation, die sich unter anderem für Russlands Interessen in anderen Ex-Sowjetstaaten einsetzt.

Die 42 Jahre alte Poklonskaja war nach Russlands Annexion der Schwarzmeer-Halbinsel Krim von 2014 berühmt geworden – als Generalstaatsanwältin, die dem Kreml treue Dienste erwies. Nach Russlands Einmarsch in die Ukraine Ende Februar aber sprach Poklonskaja von einer »Katastrophe«. Später bezeichnete sie den Buchstaben Z, der als Propaganda-Symbol für Russlands Krieg gegen die Ukraine gilt, als Sinnbild für »Tragödie und Trauer sowohl für Russland als auch für die Ukraine«.

Wikimedia klagt vor Moskauer Gericht gegen Zensur

13.06 Uhr: Russlands Medienaufsicht verlangt, dass die Wikipedia Informationen zum Krieg in der Ukraine zensiert. Der Enzyklopädie droht sogar die vollständige Sperre. Doch die Betreiber wehren sich. Lesen Sie hier mehr dazu .

Kiew: Brauchen Hunderte Panzer und Geschütze für einen Sieg

12.40 Uhr: Die Ukraine hat Forderungen nach umfassenden Waffenlieferungen konkretisiert, die sie nach Einschätzung der Regierung in Kiew für einen Sieg im Krieg gegen Russland benötigt. »1000 Haubitzen vom Kaliber 155 Millimeter, 300 Mehrfachraketenwerfersysteme, 500 Panzer, 2000 gepanzerte Fahrzeuge, 1000 Drohnen«, schrieb Präsidentenberater Mychajlo Podoljak auf Twitter. Kiew erwarte dazu vom Treffen der Nato-Verteidigungsminister am kommenden Mittwoch in Brüssel eine Entscheidung.

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»Werden kämpfen, bis Russland verliert«

12.06 Uhr: Ungeachtet der schwierigen Lage im Osten definiert die Ukraine weiter eine Niederlage Russlands als ihr klares Ziel. »Wir werden so lange kämpfen, bis Russland verliert«, sagte der ukrainische Präsidentenberater Podoljak der oppositionellen belarussischen Onlinezeitung »Zerkalo«. Das von Präsident Wolodymyr Selenskyj formulierte Minimalziel sei dabei weiter ein Rückzug der russischen Truppen auf die Linien vom 23. Februar – einem Tag vor Kriegsbeginn.

»Das Maximalziel: die territoriale Unversehrtheit in den international anerkannten Grenzen der Ukraine, eine Niederlage Russlands und dessen Transformation«, sagte Podoljak. Andernfalls werde Russland ständig versuchen, den Krieg in neuer Intensität wiederaufzunehmen, meinte er. »Der Krieg wird so lange andauern, wie die Ukraine braucht, um zu zeigen, dass Russland sich von unserem Territorium zurückziehen muss.«

Derzeit kontrolliert Russland etwa ein Fünftel des ukrainischen Territoriums. Vor Kriegsbeginn waren es rund sieben Prozent.

Ukraine: Front mehr als 2400 Kilometer lang

11.03 Uhr: Bei der Abwehr andauernder russischer Angriffe hat die ukrainische Armee eigenen Angaben zufolge inzwischen eine Front von etwa 2450 Kilometer zu verteidigen. »Davon werden an 1105 Kilometern aktive Kampfhandlungen geführt«, schrieb der Oberbefehlshaber Waleryj Saluschnyj in der Nacht zum Montag bei Facebook nach einem Gespräch mit dem US-General Mark Milley.

Deutschland erhält im Sommer wohl deutlich weniger russisches Gas

10.38 Uhr: Trotz Debatten über ein Embargo ist Russland noch immer einer der wichtigsten Erdgaslieferanten Deutschlands. Doch der Netzagentur-Chef warnt nun: Im Sommer werden diese Gasflüsse wohl zu einem großen Teil versiegen. Lesen Sie hier mehr dazu.

London: Flussquerungen spielen zentrale Rolle

10.30 Uhr: Nach Einschätzung britischer Geheimdienste dürften Flussquerungen in der kommenden Phase des Ukrainekrieges eine entscheidende Rolle spielen. Ein zentraler Teil der russischen Frontlinie in der Donbass-Region liege östlich des Flusses Siwerski Donez, hieß es in einem Update des britischen Verteidigungsministeriums.

Um weitere Fortschritte im Donbass zu erzielen, müsse Russland daher entweder komplizierte Flankenangriffe durchführen oder Flussquerungen unternehmen. Bislang sei es den Russen oft nicht gelungen, unter Beschuss groß angelegte Überquerungen von Flüssen erfolgreich zu meistern. Die Ukrainer hätten es hingegen mehrfach geschafft, vor ihrem Rückzug Brücken zu zerstören.

Russischer Ex-Ministerpräsident: Die Ukraine darf nicht verlieren

08.55 Uhr: Der frühere russische Ministerpräsident und heutige Exil-Oppositionelle Michail Kasjanow hat vor verheerenden Folgen für den Frieden gewarnt, sollte die von Russland angegriffene Ukraine den Krieg verlieren. »Wenn die Ukraine fällt, sind die baltischen Staaten als Nächstes dran«, warnte Kasjanow in einem Video-Interview mit der Nachrichtenagentur AFP. An den Westen appellierte er, keine Zugeständnisse an Kremlchef Wladimir Putin zu machen.

Die Einschätzung von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, wonach Putin nicht »gedemütigt« werden dürfe, lehne er »kategorisch« ab, betonte Kasjanow. Auch Forderungen an die Ukraine, zugunsten einer Friedenslösung mit Moskau Gebiete an Russland abzutreten, sehe er äußerst kritisch. »Was hat Putin getan, um das zu verdienen?«, fragte Kasjanow. »Ich halte das für falsch und hoffe, dass der Westen nicht diesen Weg beschreiten wird.«

Russische Organisation gegen Folter löst sich auf behördlichen Druck hin auf

08.15 Uhr: Eine russische Nichtregierungsorganisation, die sich gegen den Einsatz von Folter engagiert, hat sich auf behördlichen Druck hin aufgelöst. Dass die Behörden das Komitee zur Verhütung von Folter als »ausländischen Agenten« eingestuft hätten, sei eine »Beleidigung«, berichtete dessen Vorsitzender, Sergej Babinez, am Sonntag im Messengerdienst Telegram. »Wir wollen nicht weiterarbeiten, wenn wir als ›ausländische Agenten‹ abgestempelt werden.«

Die Mitglieder der Organisation hätten am Samstag beschlossen, ihre Aktivitäten einzustellen, erklärte Babinez weiter. »Trotz der offensichtlichen Bedeutung unserer Mission versuchen die Behörden seit vielen Jahren, sie als fremd und schädlich darzustellen«. So würden die Behörden das Signal aussenden, »dass Folter zum Bestandteil der Regierungspolitik wird (oder es bereits ist)«, kritisierte er.

Die im Jahr 2000 gegründete NGO setzt sich dafür ein, dass die Behörden Misshandlungen durch Sicherheitskräfte untersuchen und präventive Maßnahmen dagegen ergreifen.

Ukrainische Armee aus Zentrum von Sjewjerodonezk verdrängt

07.50 Uhr: Die ukrainische Armee hat den Verlust des Zentrums der schwer umkämpften Stadt Sjewjerodonezk im Osten des Landes eingeräumt. Russische Truppen hätten die Großstadt im Gebiet Luhansk mit Artillerie beschossen und die ukrainischen Soldaten vertrieben, teilte der ukrainische Generalstab am Montagmorgen mit. Die Kämpfe dauerten aber weiter an, hieß es.

Hacker bringen Kritik an Ukrainekrieg auf russische TV-Websites

07.00 Uhr: Unbekannte Hacker haben eine Botschaft gegen den Krieg in der Ukraine auf Websites des staatlichen russischen Fernsehens platziert. Auf dem Streaming-Portal »Smotrim.ru« etwa stand am Sonntagabend neben Fotos von Zerstörung in der Ukraine »Putin vernichtet Russen und Ukrainer! Stoppt den Krieg!«, wie zahlreiche Internetnutzer im Netz berichteten.

Das russische Staatsfernsehen räumte später eine Hackerattacke auf »Smotrim« und die Website der Nachrichtensendung »Vesti« ein. Dadurch seien weniger als eine Stunde lang »unerlaubt Inhalte mit extremistischen Aufrufen« angezeigt worden.

sol/sak/als/sog/AFP/dpa/Reuters
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