Putins Krieg Russland beschießt nach ukrainischen Angaben Fluchtkorridor aus Mariupol

Übereinstimmenden Berichten aus Moskau und Kiew zufolge ist eine erste Fluchtroute aus dem nordukrainischen Sumy offen. Eine sichere Flucht von Menschen aus Mariupol hält das Rote Kreuz derzeit für unmöglich.
Menschen auf der Flucht aus dem Kiewer Vorort Irpin

Menschen auf der Flucht aus dem Kiewer Vorort Irpin

Foto: DIMITAR DILKOFF / AFP

In der Ukraine hat eine erste mit Russland abgestimmte Evakuierung von Zivilisten aus den umkämpften Städten begonnen – zugleich sollen russische Truppen jedoch erneut das Feuer auf Evakuierungsbusse eröffnet haben. Das meldeten ukrainische Behörden am Mittag.

Laut Oleg Nikolenko, Sprecher des ukrainischen Außenministeriums, hat die russische Armee den eingerichteten Fluchtkorridor zwischen Saporischschja und Mariupol bombardiert. »Sie haben die Waffenruhe gebrochen«, schreibt er auf Twitter. Von russischer Seite gab es zunächst keine Meldung über die Lage in Mariupol.

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Rotes Kreuz hält Flucht aus Mariupol für unsicher

Nach Angaben der humanitären Helfer vom »Internationalen Komittee vom Roten Kreuz« (IKRK) sei die Lage in der umkämpften ukrainischen Stadt Mariupol für Hunderttausende Menschen katastrophal. »Die Situation ist apokalyptisch«, sagte IKRK-Sprecher Ewan Watson am Dienstag in Genf. Das IKRK stehe bereit, den Abzug der Zivilisten zu ermöglichen, die aus der Stadt wollen, sagte Watson. Russland und die Ukraine hätten die Bedingungen dafür aber noch nicht geschaffen. »Wir versuchen verzweifelt, den Dialog zu ermöglichen«, sagte Watson.

In der Stadt gingen alle Vorräte zur Neige. Das IKRK habe sämtliche Bestände ausgeliefert und versuche, auf allen möglichen Wegen Nachschub ins Land zu bringen.

Derzeit sollen acht Lkw und 30 Evakuierungsbusse gen Mariupol im Südosten der Ukraine unterwegs gewesen sein, auf dem Hinweg beladen mit Hilfsmitteln. Auch die stellvertretende Ministerpräsidentin Iryna Wereschtschuk hatte zuvor in einer TV-Ansprache verkündet, der Evakuierungskonvoi gen Mariupol sei gestartet.

Evakuierung aus Sumy im Gange

An anderer Stelle ist laut Wereschtschuk hingegen bereits eine erfolgreiche Evakuierung im Gange. Demnach würden bereits die ersten Menschen aus dem belagerten Sumy im Nordosten des Landes evakuiert.

In Sumy würden Einwohnerinnen und Einwohner Busse besteigen, um nach Poltawa im Zentrum der Ukraine zu fliehen. »Dem Konvoi wird die örtliche Bevölkerung in Privatfahrzeugen folgen«, sagte Wereschtschuk. Der Gouverneur von Sumy, Dmitro Schiwitskij, sagte, Behinderte, schwangere Frauen und Kinder aus Waisenhäusern hätten Vorrang. In einem vom Präsidentenberater Kyrolo Tymoschenko veröffentlichten Video war ein roter Bus mit einigen Zivilisten an Bord zu sehen.

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Sumy ist damit die erste von den fünf angedachten ukrainischen Städten, bei der ein Fluchtkorridor bisher tatsächlich eingerichtet wurde. Die russische Nachrichtenagentur Interfax berichtete, die Regierung in Moskau wolle Fluchtwege aus der Hauptstadt Kiew sowie Sumy, Charkiw, Mariupol und Tschernihiw öffnen. Von ukrainischer Seite wurde zunächst aber nur die Route aus Sumy bestätigt, wenn auch zumindest in Mariupol kurzzeitig ein Konvoi auf den Weg gebracht werden konnte.

Neben Sumy soll auch ein Korridor aus Irpin bei Kiew am Mittag wohl kurz vor seiner Öffnung stehen.

Aus dem zuletzt schwer umkämpften Kiewer Vorort sollen sich bald Einwohnerinnen und Einwohner auf den Weg machen. »Die Stadt ist fast zerstört, und in dem Viertel, in dem ich wohne, gibt es keine Häuser mehr, die nicht bombardiert wurden«, sagte eine junge Mutter, die mit einem Baby und ihrer Tochter unterwegs aus Irpin war. »Gestern war der schwerste Bombenangriff, und die Lichter und Geräusche sind so beängstigend, und das ganze Gebäude wackelt.«

In den vergangenen Tagen scheiterten mehrere Evakuierungsversuche, die Ukraine wie Russland warfen sich gegenseitig vor, sich nicht an vereinbarte Waffenruhen zu halten, unter denen die Evakuierung erst möglich wird.

mrc/Reuters
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