Krieg in der Ukraine Russland feuert erneut Dutzende Raketen ab – großflächige Stromausfälle

Russland hat bei Luftangriffen mehrere Menschen in der Ukraine getötet – viele Geschosse konnten aber offenbar abgefangen werden. Das EU-Parlament stuft den Kreml nun als staatlichen Terrorunterstützer ein.
Zerstörungen an einem Gebäude in Wyschhorod nördlich von Kiew

Zerstörungen an einem Gebäude in Wyschhorod nördlich von Kiew

Foto: OLEG PETRASYUK / EPA

Es ist der zweite massive Luftangriff binnen weniger Tage: Russland hat am Mittwoch erneut zahlreiche Ziele in der Ukraine beschossen. Nach ukrainischen Angaben kamen bei den Attacken auf Kiew und weitere Gebiete mehrere Menschen ums Leben, darunter eine 17-Jährige. In der Nacht zum Mittwoch war nach ukrainischen Angaben bereits ein Säugling in einem Krankenhaus gestorben, das demnach von einer russischen Rakete getroffen worden war.

Der oberkommandierende General der Ukraine, Walerij Saluschnij, erklärte am Abend, 51 von 67 russischen Marschflugkörpern seien abgeschossen worden. Demnach wurden allein auf Kiew 30 Raketen abgefeuert. Davon seien 20 abgefangen worden.

Es handelt sich um die schwerste Angriffswelle seit den russischen Raketen- und Drohnenschlägen vom 15. November, als Russland rund 100 Raketen abfeuerte.

AKW-Reaktoren heruntergefahren

Als Folge der Angriffe vom Mittwoch mussten in der Ukraine die Reaktorblöcke mehrerer Atomkraftwerke heruntergefahren werden. Wie der staatliche Betreiber Energatom mitteilte, mussten an den AKWs Riwne, Piwdennoukrainsk und Chmelnyzka die Notfallsysteme aktiviert werden.

»Die heutigen Raketenangriffe haben zu vorübergehender Abtrennung aller Atomkraftwerke und der Mehrzahl der Wärme- und Wasserkraftwerke geführt«, teilte das Energieministerium in Kiew via Facebook mit. Genauere Angaben zur Zahl der betroffenen Haushalte machte die Behörde nicht.

Nach Angaben von Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko fiel in der Hauptstadt zeitweise das Antennenfernsehen aus, zudem gab es stärkere Schwankungen im ohnehin angeschlagenen Stromnetz. In der gesamten Metropole mit ihren drei Millionen Einwohnern war auch die Wasserversorgung unterbrochen.

Der Uno-Sicherheitsrat wollte sich noch am Abend in New York mit dem russischen Angriff befassen. Dabei soll laut Diplomaten auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine Videoansprache halten.

EU-Parlament sieht Russland als staatlichen Terrorismus-Unterstützer

Das EU-Parlament hatte Russland zuvor als staatlichen Unterstützer von Terrorismus eingestuft. Eine große Mehrheit der Abgeordneten stimmte am Mittwoch einer entsprechenden Resolution zu, die Russland auch als einen »terroristische Mittel einsetzenden Staat« bezeichnet. Zudem soll die EU nach dem Willen des Europaparlaments eine Terrorliste für Staaten wie Russland schaffen, um diese strenger zu bestrafen.

Selenskyj begrüßte die Entscheidung: »Russland muss auf allen Ebenen isoliert und verantwortlich gemacht werden, um die seit Langem betriebene Politik des Terrorismus in der Ukraine und auf dem ganzen Globus zu beenden«, schrieb der ukrainische Präsident auf Twitter. Die Entschließung des Parlaments ist rechtlich allerdings nicht bindend und hat vor allem symbolische Wirkung.

Kurz nach dem Entschluss wurde das EU-Parlament Ziel einer offenbar aus Russland gesteuerten Cyberattacke, bei der die Website des Parlaments zeitweise lahmgelegt wurde. »Eine Gruppe von Kreml-Unterstützern hat sich dazu bekannt«, schrieb Parlamentspräsidentin Roberta Metsola bei Twitter. Nach Angaben des Parlamentssprechers Jaume Duch handelte es sich um eine DDos-Attacke. Dabei werden Server gezielt mit so vielen Anfragen bombardiert, dass das System die Aufgaben nicht mehr bewältigen kann. In der Folge sind Internetauftritte der betroffenen Institutionen häufig zeitweise nicht erreichbar.

fek/dpa/Reuters
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