Kämpfe in der Ostukraine Russland zahlt laut Großbritannien hohen Preis für Angriffe auf Bachmut

Russische Truppen versuchen offenbar, die Stadt Bachmut in der Region Donezk einzukesseln. Selbst eine erfolgreiche Eroberung würde sich strategisch nicht lohnen, urteilt Großbritannien. Die Ukraine begrüßt unterdessen den Ölpreisdeckel.
Ein ukrainischer Soldat feuert im November einen Mörser auf russische Stellungen in Bachmut

Ein ukrainischer Soldat feuert im November einen Mörser auf russische Stellungen in Bachmut

Foto: Libkos / AP

Die russischen Truppen haben sich bei ihrem Angriff auf die Ukraine nach Ansicht britischer Militärexperten in einen unverhältnismäßig aufwendigen Kampf um die Stadt Bachmut verbissen. Der Vorteil durch eine Eroberung der Stadt in der Region Donezk mit etwa 70.000 Einwohnern stehe nicht im Verhältnis zu dem Preis, den Moskau dafür zahle, hieß es im täglichen Geheimdienst-Update zum Ukrainekrieg des Verteidigungsministeriums in London.

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Ein großer Teil der russischen Bemühungen und Feuerkraft sei seit August auf einen etwa 15 Kilometer langen Sektor einer mit Gräben befestigten Front konzentriert, so die Mitteilung. Der Plan sei wohl, die Stadt einzukreisen. Dabei habe es im Süden kleine Fortschritte gegeben.

Obwohl die Einnahme Bachmuts Russland die Gelegenheit verschaffen würde, größere urbane Zentren wie die Städte Kramatorsk und Slowjansk zu bedrohen, wäre sie nur von »eingeschränktem operationellem Wert«, so die Einschätzung der Briten weiter. Es sei daher eine realistische Möglichkeit, dass die Eroberung der Stadt in erster Linie ein symbolisches, politisches Ziel für den Kreml geworden sei.

Das britische Verteidigungsministerium veröffentlicht seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine Ende Februar unter Berufung auf Geheimdienstinformationen ein tägliches Update zum Kriegsverlauf. Damit will die britische Regierung sowohl der russischen Darstellung entgegentreten als auch Verbündete bei der Stange halten. Moskau wirft London eine gezielte Desinformationskampagne vor.

Ukraine begrüßt Ölpreisdeckel gegen Russland

Abseits der Kampfhandlungen versucht der Westen weiter, den wirtschaftlichen Druck auf Russland zu erhöhen. So hatten sich die EU, die G7 und Australien am Freitag auf eine Preisobergrenze von 60 Dollar pro Barrel für über den Seeweg transportiertes Öl geeinigt.

Nach ukrainischen Angaben wird diese Einigung der russischen Wirtschaft stark zusetzen. »Wir erreichen immer unser Ziel, und Russlands Wirtschaft wird zerstört werden«, behauptete der ukrainische Präsidentenberater Andrij Jermak auf Telegram. Eine Obergrenze von nur 30 statt 60 Dollar würde die russische Wirtschaft aber »schneller zerstören«, fügte er hinzu.

Der Preisdeckel soll es Russland erschweren, die wegen des Ukrainekriegs verhängten Sanktionen durch Verkäufe außerhalb der EU oder der G7 zu umgehen. China und Indien beispielsweise werden weiterhin russisches Öl importieren können – aber nur zum nun beschlossenen Maximalpreis.

Denn Unternehmen aus G7- und EU-Staaten und auch Australien dürfen der Einigung zufolge kein mehr als 60 Dollar teures Öl transportieren. Zudem dürfen sie keine Tanker versichern, die Öl zu Preisen oberhalb der Obergrenze an Bord haben. Derzeit stellen Unternehmen aus G7-Staaten rund 90 Prozent der Transportversicherungen weltweit.

Am Montag soll zudem das bereits beschlossene Embargo der Europäischen Union gegen die Einfuhr von russischem Rohöl auf dem Seeweg in Kraft treten. Das betrifft zwei Drittel der Importe, der Rest kommt über Pipelines.

kko/dpa
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