Umkämpftes Eiland im Schwarzen Meer Russland zieht Truppen von Schlangeninsel ab

Russland hat die Schlangeninsel im Schwarzen Meer aufgegeben. Moskau spricht von einer »Geste des guten Willens«, Kiew hingegen von einem Erfolg der eigenen Streitkräfte.
Schlangeninsel im Schwarzen Meer

Schlangeninsel im Schwarzen Meer

Foto: imago stock&people / imagebroker / IMAGO

Die Schlangeninsel im Schwarzen Meer steht nicht mehr unter russischer Kontrolle. Die russische Armee hat sich laut eigener Darstellung freiwillig von der ukrainischen Insel zurückgezogen. Die auf der Insel im Schwarzen Meer stationierten Truppen seien als eine »Geste des guten Willens« abgezogen worden, teilte das Verteidigungsministerium mit. Damit wolle Russland zeigen, dass es den Export von Getreide und landwirtschaftlichen Produkten aus der Ukraine nicht behindere. Zuvor hatte die Ukraine einen Angriff auf die Insel gemeldet.

»Diese Entscheidung wird es Kiew nicht mehr ermöglichen, Spekulationen über eine bevorstehende Nahrungsmittelkrise anzustellen und zu sagen, dass es unmöglich sei, Getreide zu exportieren, weil Russland die vollkommene Kontrolle über den Nordwesten des Schwarzen Meeres ausübt«, hieß es aus Moskau. Die ukrainische Seite verbucht den Rückzug der russischen Truppen hingegen als Erfolg der eigenen Armee.

Bereits am Morgen hatte das ukrainische Militär die Schlangeninsel eigenen Angaben zufolge erneut attackiert. Dabei sei ein Kurzstrecken-Flugabwehrsystem des Typs Panzir-S1 zerstört worden, teilte das Kommando Süd bei Facebook mit. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen. Der ukrainische Präsidialamtschef Andrij Jermak twitterte am Vormittag: »KABOOM! Keine russischen Truppen mehr auf der Schlangeninsel. Unsere Streitkräfte haben einen großartigen Job gemacht.«

Nach dem russischen Einmarsch Ende Februar war das Eiland unweit des Donaudeltas von der russischen Marine bereits am zweiten Kriegstag erobert worden. Die ukrainischen Streitkräfte haben seitdem mehrfach Attacken mit Kampfdrohnen und Flugzeugen geflogen und den Kreuzer Moskwa (Moskau) mit Raketen versenkt.

Widerstand in den ersten Kriegstagen wurde international bekannt

Die Schlangeninsel südlich der ukrainischen Hafenstadt Odessa gilt als strategisch wichtig. Sie erlangte zudem in den ersten Kriegstagen international Berühmtheit, wegen des Widerstands der auf der Insel stationierten Grenzschützer. Die Beamten antworteten angeblich auf einen Funkspruch des russischen Kriegsschiffs: »Russian warship, go fuck yourself.« Der Spruch wurde zu einem Leitspruch der Ukrainer im Kampf gegen die russischen Invasoren. Grenzbeamte, die die Insel verteidigten, gelten in der Ukraine als Helden. Sie wurden gefangen genommen und kehrten später bei einem Gefangenenaustausch in die Ukraine zurück.

Russland wird vorgeworfen, ukrainische Häfen zu blockieren und so den Export von Getreide zu behindern. In einigen Gegenden auf der Welt droht deshalb eine weitere Zuspitzung der Hungerkrise. Die G7-Staaten haben bei ihrem Treffen im bayerischen Elmau vereinbart, bis zu fünf Milliarden Dollar für die weltweite Ernährungssicherheit zur Verfügung zu stellen.

Anmerkung: In einer früheren Version hieß es, 13 Verteidiger der Schlangeninsel seien getötet worden. Dies hatte der ukrainische Präsident Selenskyj zunächst so dargestellt. Später korrigierte die ukrainische Marine die Darstellung.

asc/dpa/Reuters/AFP
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