Nach langer Blockade Ukraine und Russland einigen sich auf Abkommen zu Getreideexporten

Seit Wochen fordert die internationale Gemeinschaft Russland dazu auf, den Export von ukrainischem Getreide zu ermöglichen. Nun ist ein Durchbruch gelungen.
Russischer Soldat auf einem Feld in der Nähe von Melitopol im Südosten der Ukraine (14.07.2022)

Russischer Soldat auf einem Feld in der Nähe von Melitopol im Südosten der Ukraine (14.07.2022)

Foto: Sergei Ilnitsky / EPA

Russland und die Ukraine haben mit den Vereinten Nationen und der Türkei eine Lösung für die Ausfuhr von Millionen Tonnen Getreide aus der Ukraine vereinbart. Sowohl Russland als auch die Ukraine unterzeichneten in Istanbul getrennt voneinander entsprechende Vereinbarungen unter Vermittlung von Uno-Generalsekretär António Guterres.

Guterres sagte in Istanbul, das Abkommen ebne den Weg für große Lebensmittelexporte aus den drei wichtigen ukrainischen Häfen Odessa, Tschornomorsk und Juschne. Das Abkommen sei ein »Leuchtfeuer der Hoffnung«, so Guterres: »Dies ist eine Einigung für die Welt«. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan, der ebenfalls bei der Zeremonie anwesend war, nannte den Tag »historisch«.

Uno will Umsetzung überwachen

Vereinbart wurde nach Uno-Angaben, einen Korridor zwischen der Ukraine und dem Bosporus zu schaffen – der Meerenge zwischen Schwarzem Meer und Mittelmeer. Die Uno werde ein Koordinationszentrum einrichten, um die Umsetzung des Abkommens zu überwachen.

Zudem einigten sich die Parteien Uno-Angaben zufolge darauf, dass Schiffe mit dem Ziel Ukraine zunächst in Istanbul durchsucht würden, um sicherzustellen, dass sie keine Waffen oder Ähnliches geladen haben. Eine weitere Kontrolle solle es dann in der Türkei geben, wenn die Schiffe aus der Ukraine kommend das Schwarze Meer wieder verlassen wollen. Damit solle sichergestellt werden, dass ausschließlich Getreide an Bord ist. Das war eine Bedingung Russlands gewesen.

Schiffe in dem Korridor und die beteiligten Häfen dürften nicht angegriffen werden, hieß es. Eine Waffenruhe in den Gebieten wurde nicht im Abkommen festgehalten. Der Punkt wird von der Uno aber so interpretiert, dass an diesen strategisch wichtigen Orten – zum Beispiel im Hafen Odessas – faktisch eine Waffenruhe gelten soll. Das Abkommen soll den Angaben zufolge zunächst für vier Monate gelten. Bis das Abkommen vollumfänglich umgesetzt wird, könne es einige Wochen dauern, heißt es.

Millionen Tonnen Getreide blockiert

Seit Wochen hatte die internationale Gemeinschaft Russland dazu aufgefordert, den Export von ukrainischem Getreide zu ermöglichen. Die Ukraine beklagte, dass die russische Kriegsmarine ihre Häfen am Schwarzen Meer blockiere. Russland stritt dagegen ab, Weizenexporte zu verhindern.

Zuletzt waren zwischen 20 und 25 Millionen Tonnen Getreide in der Ukraine blockiert gewesen. Vor der russischen Invasion war die Ukraine der weltweit viertgrößte Exporteur von Weizen und Mais. Der russische Angriffskrieg und seine Folgen haben die Preise für Getreide und Öl in die Höhe getrieben.

»Schritt in die richtige Richtung«

EU-Ratspräsident Charles Michel hat die Lösung für die Ausfuhr von Getreide aus der Ukraine begrüßt. »Dieses Abkommen kann Millionen von Menschen auf der ganzen Welt zugute kommen«, schrieb der Belgier auf Twitter. Die konsequente Umsetzung sei nun von größter Bedeutung. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen zeigte sich angesichts der Einigung ebenfalls erfreut und sprach davon, dass die Lebensmittel die Ukraine »endlich« über das Schwarze Meer verlassen könnten.

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Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell sprach von einem »Schritt in die richtige Richtung«. Zugleich forderte er, das Abkommen schnell umzusetzen. Die EU sei entschlossen, den Export von ukrainischem Getreide zu unterstützen.

ptz/ani/dpa/Reuters
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